Anstand, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Anstand(e)s · Nominativ Plural: Anstände
Aussprache
WorttrennungAn-stand
Grundformanstehen
Wortbildung mit ›Anstand‹ als Erstglied: ↗Anstandsbesuch · ↗Anstandsdame · ↗Anstandsgefühl · ↗Anstandshappen · ↗Anstandspflicht · ↗Anstandsregel · ↗Anstandsstück · ↗Anstandsunterricht · ↗Anstandswauwau · ↗anstandshalber · ↗anstandslos · ↗anständig
 ·  formal verwandt mit: ↗beanstanden · ↗beanständen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
nur im Singular
Schicklichkeit, gutes Benehmen
Beispiele:
den Anstand wahren, verletzen
keinen Anstand haben
umgangssprachlich jmdm. Anstand beibringen
der Anstand erlaubt das nicht
das (er)fordert, verlangt, verbietet (schon) der Anstand
die Grenzen des Anstandes nicht überschreiten
Sitte und Anstand lernen
inneren, äußeren Anstand zeigen
auf Anstand halten, sehen
etw. aus Anstand unterlassen
kein Gefühl, keinen Sinn für Anstand besitzen
das ist gegen den, gegen allen Anstand
in ihm war auch nicht ein Funken (von) Anstand
etw. mit Anstand tun
sich mit Anstand bewegen, aus einer Affäre ziehen
(im Spiel, Wettkampf) mit Anstand (= Würde, Haltung) verlieren (können)
mit Anstand (= gut, ohne sich schämen zu müssen) vor der Kritik bestehen
2.
gehoben (keinen) Anstand nehmen(keinen) Anstoß nehmen, (kein) Bedenken haben
Beispiele:
er nahm an seinem gebrochenen Deutsch, an ihrem Aufzug keinen Anstand
er nahm keinen Anstand (= er zögerte nicht), die Geschichte umherzuerzählen [H. MannUntertan4,440]
süddeutsch, österreichisch Beanstandung
Beispiele:
Anstände machen, gegen etw. erheben
dass es ja keinen Anstand gibt!
Habe ich nicht zwölf Jahre unter euch gelebt? ... Und es hat keinen Anstand gegeben [WerfelMusa Dagh180]
Schwierigkeit
Beispiele:
Anstände mit jmdm. bekommen
Wir haben schon die größten Anstände mit ihr gehabt [BrechtMutter9]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Anstand · anstandslos · beanstanden · anständig · unanständig
Anstand m. in verschiedenen Verwendungsweisen dem Präfixverb anstehen (s. ↗stehen) folgend. Anfangs (mhd. anstant) ‘das Anstehen-Lassen’, insbesondere ‘Aufschub der Kampfhandlungen, Waffenstillstand, Friede’, in dem allgemeinen Sinne ‘Aufschub, Einwand’ noch im 19. Jh.; dazu die Wendung (keinen) Anstand nehmen ‘(keine) Bedenken tragen’; ‘das Anstehen’, um zum Schuß zu kommen (18. Jh.), daraus ‘An-, Hochsitz’ des Jägers; ‘was wohl ansteht, der guten Sitte entsprechendes Benehmen’ (Ende 17. Jh.). anstandslos Adj. ‘ohne Einwände, ohne weiteres’ (19. Jh.). beanstanden Vb. nur vereinzelt ‘anstehen lassen, aufschieben’, sonst ‘Einwände erheben, rügen’ (19. Jh.). anständig Adj. ‘zuständig, geziemend’ (Ende 15. Jh.), ‘schicklich, höflich’ (17. Jh.); unanständig Adj. ‘anstößig’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Anstand · ↗Anständigkeit · ↗Lauterkeit · ↗Moral · ↗Sitte · ↗Sittlichkeit
Assoziationen
Synonymgruppe
Anstand · ↗Gepflogenheit · ↗Schicklichkeit  ●  ↗Usus  ugs.
Synonymgruppe
(eine) gute Erziehung genossen haben · (eine) gute Kinderstube (genossen haben) · (sich) zu benehmen wissen · Anstand · ↗Benehmen · ↗Benimm · ↗Chic · ↗Etikette · ↗Höflichkeit · ↗Manieren · ↗Schliff · ↗Stil · ↗Umgangsform · Umgangsformen · feine Sitte · gut erzogen · gute Umgangsformen · gutes Benehmen · gutes Betragen  ●  ↗Galanterie  geh.
Oberbegriffe
  • handlungsleitende Norm(en)
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufrichtigkeit Benehmen Benimm Bescheidenheit Ehre Ehrgefühl Ehrlichkeit Fairness Fleiß Gebot Grundregel Höflichkeit Hüter Menschlichkeit Mindestmaß Mitgefühl Moral Redlichkeit Regel Respekt Ritterlichkeit Sauberkeit Sitte Takt Würde bürgerlich gebieten journalistisch menschlich wahren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anstand‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber es war nur der klebrige Geschmack von billigem Anstand.
Der Tagesspiegel, 29.06.2000
Der niederländische Finanzminister stellte dazu fest, Herren von Stand seien nicht immer Herren mit Anstand.
Süddeutsche Zeitung, 07.11.1997
Es kann manchmal wirklich aufschlußreich sein, auf dem Anstand zu sitzen.
Heller, Gisela: Märkischer Bilderbogen, Berlin: Berlin Verlag der Nation 1978, S. 47
Gottlob darf man heute wieder das Wort schön mit dem Begriff Anstand verbinden, ohne verlacht zu werden.
Haluschka, Helene: Noch guter Ton? In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 3005
Man mußte da hinten wohl den letzten Rest von Anstand verloren haben.
Borchardt, Rudolf: Vereinigung durch den Feind hindurch, Frankfurt a. M.: Ullstein 1982 [1937], S. 214
Zitationshilfe
„Anstand“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Anstand#1>, abgerufen am 23.04.2019.

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Anstand, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Anstand(e)s · Nominativ Plural: Anstände
Aussprache
WorttrennungAn-stand
Grundformanstehen
eWDG, 1967

Bedeutung

Jägersprache Ort, an dem der Jäger auf das Wild wartet, Ansitz
Beispiel:
auf (den) Anstand gehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Anstand · anstandslos · beanstanden · anständig · unanständig
Anstand m. in verschiedenen Verwendungsweisen dem Präfixverb anstehen (s. ↗stehen) folgend. Anfangs (mhd. anstant) ‘das Anstehen-Lassen’, insbesondere ‘Aufschub der Kampfhandlungen, Waffenstillstand, Friede’, in dem allgemeinen Sinne ‘Aufschub, Einwand’ noch im 19. Jh.; dazu die Wendung (keinen) Anstand nehmen ‘(keine) Bedenken tragen’; ‘das Anstehen’, um zum Schuß zu kommen (18. Jh.), daraus ‘An-, Hochsitz’ des Jägers; ‘was wohl ansteht, der guten Sitte entsprechendes Benehmen’ (Ende 17. Jh.). anstandslos Adj. ‘ohne Einwände, ohne weiteres’ (19. Jh.). beanstanden Vb. nur vereinzelt ‘anstehen lassen, aufschieben’, sonst ‘Einwände erheben, rügen’ (19. Jh.). anständig Adj. ‘zuständig, geziemend’ (Ende 15. Jh.), ‘schicklich, höflich’ (17. Jh.); unanständig Adj. ‘anstößig’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Anstand · ↗Anständigkeit · ↗Lauterkeit · ↗Moral · ↗Sitte · ↗Sittlichkeit
Assoziationen
Synonymgruppe
Anstand · ↗Gepflogenheit · ↗Schicklichkeit  ●  ↗Usus  ugs.
Synonymgruppe
(eine) gute Erziehung genossen haben · (eine) gute Kinderstube (genossen haben) · (sich) zu benehmen wissen · Anstand · ↗Benehmen · ↗Benimm · ↗Chic · ↗Etikette · ↗Höflichkeit · ↗Manieren · ↗Schliff · ↗Stil · ↗Umgangsform · Umgangsformen · feine Sitte · gut erzogen · gute Umgangsformen · gutes Benehmen · gutes Betragen  ●  ↗Galanterie  geh.
Oberbegriffe
  • handlungsleitende Norm(en)
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufrichtigkeit Benehmen Benimm Bescheidenheit Ehre Ehrgefühl Ehrlichkeit Fairness Fleiß Gebot Grundregel Höflichkeit Hüter Menschlichkeit Mindestmaß Mitgefühl Moral Redlichkeit Regel Respekt Ritterlichkeit Sauberkeit Sitte Takt Würde bürgerlich gebieten journalistisch menschlich wahren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anstand‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber es war nur der klebrige Geschmack von billigem Anstand.
Der Tagesspiegel, 29.06.2000
Der niederländische Finanzminister stellte dazu fest, Herren von Stand seien nicht immer Herren mit Anstand.
Süddeutsche Zeitung, 07.11.1997
Es kann manchmal wirklich aufschlußreich sein, auf dem Anstand zu sitzen.
Heller, Gisela: Märkischer Bilderbogen, Berlin: Berlin Verlag der Nation 1978, S. 47
Gottlob darf man heute wieder das Wort schön mit dem Begriff Anstand verbinden, ohne verlacht zu werden.
Haluschka, Helene: Noch guter Ton? In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 3005
Man mußte da hinten wohl den letzten Rest von Anstand verloren haben.
Borchardt, Rudolf: Vereinigung durch den Feind hindurch, Frankfurt a. M.: Ullstein 1982 [1937], S. 214
Zitationshilfe
„Anstand“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Anstand#2>, abgerufen am 23.04.2019.

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