Anschauung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Anschauung · Nominativ Plural: Anschauungen
Aussprache
WorttrennungAn-schau-ung (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Anschauung‹ als Erstglied: ↗Anschauungskraft · ↗Anschauungsmaterial · ↗Anschauungsmittel · ↗Anschauungsunterricht · ↗Anschauungsweise
 ·  mit ›Anschauung‹ als Letztglied: ↗Grundanschauung · ↗Kunstanschauung · ↗Lebensanschauung · ↗Weltanschauung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Meinung, Auffassung
Beispiele:
eine moderne, fortschrittliche, gesunde, naive, überholte, rückständige, veraltete Anschauung
eine politische, philosophische Anschauung
eine (falsche) Anschauung über, von etw. haben
eine Anschauung vertreten
gehoben einer Anschauung huldigen
Anschauungen mit jmdm. teilen, austauschen
an seinen Anschauungen festhalten
auf dem Boden bestimmter Anschauungen stehen
2.
meist im Singular
a)
selten Tätigkeit des Betrachtens
Beispiel:
[Aschenbach] der ... in Anschauung versunken, der Gruppe nachblickte [Th. MannTod in Venedig9,483]
b)
Erfahrung durch das Betrachten
Beispiele:
etw. aus eigener Anschauung kennen
dafür fehlt mir die Anschauung
eine, keine Anschauung von etw. haben
c)
Darbietung des Materials zum Betrachten
Beispiel:
um uns durch die Anschauung zu unterweisen [Bergengr.Rittmeisterin265]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schauen · Schau · Schauer1 · anschauen · anschaulich · veranschaulichen · Anschauung · beschauen · Beschauer · beschaulich · zuschauen · Zuschauer · Schaufenster · Schauplatz · Schauspiel · Schauspieler · schauspielern
schauen Vb. ‘den Blick auf etw. richten, betrachten, achtgeben, sich kümmern um, innerlich erblicken, erfassen, erkennen’, ahd. scouwōn (8. Jh.), mhd. schouwen, asächs. skauwon, mnd. schouwen, schau(w)en, mnl. scouwen, nl. schouwen, afries. skāwia, skōwia, aengl. scēawian, engl. to show (germ. *skauwōn). Verwandt sind weiter (unsicheres) got. unskaus (für *usskaus?) ‘nüchtern, vorsichtig’ (d. i. -skaus ‘schauend’), griech. thyoskóos (θυοσκόος, aus *-σκοϜός) ‘Opferschauer’ sowie das unter ↗schön (s. d.) behandelte Adjektiv, auch (ablautend) anord. skoða ‘schauen, untersuchen’, schwed. skåda und (mit nord. Entwicklung zum Guttural) anord. skygn ‘scharfsehend, klug’, skygna ‘schauen, spähen’. Alle Formen lassen sich auf eine mit s- anlautende Variante ie. *skeu- der Wurzel ie. *kē̌u- ‘worauf achten, beobachten, schauen’, auch ‘hören, fühlen, merken’ (wozu ↗hören, s. d. weitere Verwandte) zurückführen. Schau f. ‘(prüfendes) Ansehen, intuitives Erleben, Erfassen, Blickpunkt, Sichtweise’, mhd. schouwe, schowe, schou ‘suchendes, prüfendes Schauen’ (erhalten in Brautschau), ‘Blick, das Anschauen, Anblick, was angesehen wird, Gestalt’ (bis ins 17. Jh. auch m.); vgl. die Wendungen zur Schau stellen, zur Schau tragen ‘öffentlich zeigen, vorführen’ (18. Jh.). In neuerer Zeit (unter dem Einfluß von engl. show) häufig in Komposita für ‘Ausstellung’ (Blumen-, Leistungs-, Moden-, Tierschau) oder für eine ‘öffentliche, auf optische Wirkung ausgerichtete Veranstaltung’ (Bühnen-, Fernseh-, Superschau). In der Folge tritt das Simplex Schau oft für aus dem Engl. entlehntes ↗Show (s. d.) ein. Schauer1 m. ‘Betrachter, Besichtiger, Prüfer’, ahd. scouwāri (um 1000), mhd. schouwære, schower ‘Betrachter, Münzprüfer, Fleischbeschauer’, frühnhd. auch ‘Seher, Prophet’. anschauen Vb. ‘ansehen, prüfend betrachten’, ahd. anascouwōn (9. Jh.), mhd. aneschouwen; anschaulich Adj. ‘leicht, optisch gut vorstellbar, bildhaft’, mhd. anschouwelich ‘in religiöse Betrachtung versunken’; veranschaulichen Vb. ‘durch Bilder, Vergleiche u. dgl. vorstellbar, deutlich machen’ (um 1800); Anschauung f. ‘das Sehen, Anblick’ (15. Jh.), ‘Betrachtungsweise, Vorstellung, Gesichtspunkt, Meinung’ (18. Jh.), ahd. anascouwunga ‘das Ausschauhalten, geistige Betrachtung’ (8. Jh.), mhd. anschouwunge ‘geistige, kontemplative Betrachtung’. beschauen Vb. ‘(prüfend, eingehend) betrachten, besehen’, ahd. biscouwōn ‘schauen, (an)sehen, berücksichtigen’ (8. Jh.), mhd. beschouwen; Beschauer m. ‘Prüfer’, ahd. biscouwāri ‘Betrachter, Beobachter’ (10. Jh.), mhd. beschouwære ‘(obrigkeitlicher) Besichtiger, Prüfer’; beschaulich Adj. ‘betrachtend, kontemplativ’, spätmhd. beschouwelich; vgl. besonders beschawlich leben (1460). zuschauen Vb. ‘den Blick auf einen Punkt richten, hin-, zusehen’ (16. Jh.); Zuschauer m. ‘wer auf etw. hinsieht, einer Vorführung zusieht’ (16. Jh.). Schaufenster n. ‘Fenster, in dem etw. zur öffentlichen Ansicht ausgestellt wird’ (19. Jh.). Schauplatz m. ‘öffentlicher Platz, auf dem Schauspiele aufgeführt werden, Theater’ (16. Jh.), ‘Platz, auf dem sich etw. abspielt, wo etw. geschieht’ (17. Jh.), vgl. Kriegsschauplatz. Schauspiel n. ‘jedes vor Zuschauern öffentlich gezeigte Spiel’, besonders ‘dramatische Dichtung und deren szenische Aufführung’ (Ende 15. Jh.), neben häufigerem Komödie, Tragödie; vom 18. Jh. an geläufig und Lustspiel und Trauerspiel ausdrücklich zusammenfassend. Schauspieler m. ‘wer in szenischen Aufführungen auftritt’ (16. Jh.), danach ‘darstellende Person auf dem Theater’, neben ↗Komödiant (s. d.), dieses jedoch vom 18. Jh. an zurückdrängend. schauspielern Vb. ‘anderen etw. vormachen, vortäuschen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Anschauung · ↗Ansicht · ↗Aspekt · ↗Auffassung · ↗Betrachtungsweise · ↗Blickwinkel · ↗Einstellung · ↗Haltung · ↗Meinung · ↗Position · Sicht der Dinge · ↗Sichtweise · ↗Standpunkt · ↗Überzeugung
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Anschauung · ↗Auffassung · ↗Ausdruck · ↗Begriff · ↗Denkweise · ↗Idee · ↗Vorstellung
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Anschauung · ↗Ansicht · ↗Bewertung · ↗Gutachten · ↗Meinung · ↗Statement · ↗Stellungnahme  ●  ↗Votum  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Begriff Empfindung Mannigfaltige Sitte Wandlung abweichend benachteiligen eigen empirisch entgegengesetzt ethisch gegensätzlich gewonnen herrschend intellektuell kennen lebendig philosophisch rein religiös sinnlich sittlich unmittelbar veraltet verbreitet vertreten volkstümlich wurzeln ästhetisch überkommen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anschauung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur so kommt er ja zu diesen langweilig eindeutigen Anschauungen.
Der Tagesspiegel, 08.07.1999
Doch diese Anschauung haben naturwissenschaftliche Expertisen der letzten Zeit ins Wanken gebracht.
Die Zeit, 15.12.1972, Nr. 50
Es ist aber viel Lüge in solchen Büchern und sie dienen meistens nur dazu, die klare Anschauung vom Leben zu verwirren.
Wildgans, Anton: Mein Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1933], S. 2713
Das Bewußtsein ist noch nicht weit genug, den geistigen Inhalt der Anschauung zu erfassen.
Steiner, Rudolf: Mein Lebensgang, Eine nicht vollendete Autobiographie. In: Oliver Simons (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1925], S. 365
Als Komponist huldigt er nun freilich weit weniger fortschrittlichen Anschauungen als als Virtuose.
Richter, Alfred: Aus Leipzigs musikalischer Glanzzeit, Erinnerungen eines Musikers. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 43871
Zitationshilfe
„Anschauung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Anschauung>, abgerufen am 17.06.2019.

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