Anlass, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Anlasses · Nominativ Plural: Anlässe
Aussprache
WorttrennungAn-lass (computergeneriert)
formal verwandt mitlassen
Ungültige SchreibungAnlaß
Rechtschreibregeln§ 2
Wortbildung mit ›Anlass‹ als Erstglied: ↗anlässlich  ·  formal verwandt mit: ↗veranlassen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Beweggrund, Ursache
Beispiele:
ohne äußeren, allen, jeden, den geringsten, mindesten, einen eigentlichen Anlass weglaufen, wütend werden, ausgescholten werden
etw. zum willkommenen, erwünschten, gesuchten Anlass nehmen
die Krankheit gibt keinen Anlass zur Besorgnis, Beunruhigung
er gab in seinem Verhalten nie Anlass zur Klage, zum Tadel
Anlass zur Unzufriedenheit, zum Lachen haben
aus Anlass (= anlässlich) unseres Jubiläums
die verschiedensten Anlässe führten zu seiner Entlassung
Fanny ... würde keinen Anlaß sehen, sie [die Lager] ihm nicht zu zeigen [BrechtDreigroschenroman272]
2.
Gelegenheit, Ereignis
Beispiele:
bei feierlichen, festlichen, freudigen, öffentlichen, besonderen Anlässen
jeden Anlass ergreifen, benutzen
bei jedem Anlass lachen
während die törichten Mädchen ... die besten Anlässe verschmähten, zu Männern zu kommen [G. KellerSalander5,100]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lassen · ablassen · unablässig · anlassen · Anlasser · Anlaß · anläßlich · veranlassen · auslassen · ausgelassen · einlassen · Einlaß · entlassen · Entlassung · erlassen · Erlaß · unerläßlich · hinterlassen · Hinterlassenschaft · nachlassen · Nachlaß · nachlässig · vernachlässigen · niederlassen · Niederlassung · überlassen · unterlassen · Unterlaß · verlassen · Verlaß · verläßlich · zulassen · zulässig
lassen Vb. ‘dulden, erlauben, bitten, veranlassen, daß etw. geschieht, unterlassen, aufhören mit etw., überlassen, geben, aufgeben’. Das gemeingerm., ehemals reduplizierende Verb ahd. lāʒan (8. Jh.), Kurzform lān, mhd. lāʒen, lān, asächs. lātan, mnd. mnl. lāten, nl. laten, aengl. lǣtan, engl. to let, anord. lāta, schwed. låta, got. lētan ist mit den unter ↗lasch und ↗lässig (s. d.) angegebenen Formen und außergerm. mit griech. lēdé͞in (ληδεῖν) ‘träge, müde sein’, lat. lassus (aus *lədto-) ‘laß, matt, müde, abgespannt’, alban. lodh ‘er ermüdet jmdn.’ und lit. léisti ‘(los)lassen, freilassen’ auf eine Wurzelerweiterung ie. *lē(i)d-, *ləd- der Wurzel ie. *lē(i)- ‘nachlassen’ rückführbar. ablassen Vb. ‘von etw., jmdm. abstehen, aufgeben, entweichen lassen, herniederlassen, (käuflich) überlassen’, ahd. oblāʒan (für gewöhnliches aba-) ‘erlassen, Nachlaß gewähren’ (8. Jh.), mhd. abelāʒen, auch ‘aufgeben, Abstand nehmen, losgehen lassen, entweichen lassen, niederlassen’; s. ↗Ablaß; unablässig Adj. ‘nicht ablassend, andauernd, ohne Unterbrechung’ (16. Jh.). anlassen Vb. ‘(Kleidung) nicht ablegen, eine Vorrichtung nicht ausschalten, einen Motor in Gang setzen’, reflexiv ‘beginnen, in Betrieb kommen’; vgl. ahd. analāʒan ‘hineinlassen, etw. über jmdn. (sich) kommen lassen’ (8. Jh.), mhd. anelāʒen ‘erfinden, angeben, loslassen, in Bewegung setzen’; Anlasser m. ‘Vorrichtung zum In-Gang-Setzen eines Motors, einer Maschine’ (älter Anlaßhebel, 19. Jh.), bei Elektromotoren ‘vorgeschalteter Widerstand, der ein langsames Anlaufen gewährleistet’ (um 1900); Anlaß m. ‘Ursache, Grund’, mhd. ane-, anlāʒ ‘Anfang, Beginn, Punkt, von dem ein Wettrennen ausgeht, Anreiz, Gelegenheit, Kompromiß’; anläßlich Präp. ‘bei Gelegenheit, aus Anlaß’ (19. Jh.), älter (selten) auch adjektivisch und adverbial (15. Jh.); veranlassen Vb. (schwach flektierend) ‘anregen, anordnen, bewirken’, frühnhd. ‘etw. auf jmdn. schieben, jmdn. für etw. auswählen’ (15. Jh.). auslassen Vb. ‘loslassen, weglassen, nicht beachten, (Kleider) verlängern, (Ärger, Zorn) Unschuldige entgelten lassen’, ahd. ūʒlāʒan ‘fortschicken, ausschütten, freilassen, nicht zurückhalten, vergießen, aussprechen, beenden’ (9. Jh.), mhd. ūʒlāʒen; ausgelassen Part.adj. ‘unbändig, hemmungslos’ (vgl. in älterer Sprache ausgelassener Trotz, ausgelassene Leidenschaft), ‘sehr fröhlich’, eigentlich ‘freigelassen’ (16. Jh.). einlassen Vb. ‘herein-, hineinlassen, einfügen’, reflexiv ‘auf etw. eingehen, mit jmdm. verkehren’, ahd. inlāʒan ‘hineinwerfen, einlassen’ (8. Jh.), mhd. īnlāʒen; Einlaß m. ‘das Hineinlassen, Öffnen, Eintritt, Tür’ (16. Jh., Einlaß begehren). entlassen Vb. ‘freigeben, verabschieden, (aus einem Amt) wegschicken, jmds. (Arbeits)vertrag aufkündigen’, ahd. intlāʒan ‘nachlassen, verzeihen, loslassen, lösen, entspannen, weichen’ (8. Jh.), mhd. entlāʒen ‘loslassen, fahrenlassen’, reflexiv ‘sich entfalten’; Entlassung f. ‘Freilassung, Verabschiedung, Entfernung aus einem Amt’ (17. Jh.). erlassen Vb. ‘in Kraft treten lassen, anordnen, von etw. befreien, eine Anordnung aufheben’, ahd. irlāʒan ‘unterlassen, befreien von’ (9. Jh.), mhd. erlāʒen ‘wovon freilassen’, reflexiv ‘auseinandergehen, sich enthalten, unterlassen’; Erlaß m. ‘Verfügung, Anordnung, Aufhebung’ (18. Jh.); unerläßlich Adj. ‘unbedingt erforderlich, nicht aufhebbar’ (17. Jh.). hinterlassen Vb. ‘(einem anderen) zurücklassen, etw. vererben’ (16. Jh.); Hinterlassenschaft f. ‘Zurückgelassenes, Erbe’ (19. Jh.). nachlassen Vb. ‘Spannung lockern, vermindern, schlechter werden, zurücklassen, Preise herabsetzen’, spätmhd. nāchlāʒen; Nachlaß m. ‘das Nachlassen’ (16. Jh.), ‘Hinterlassenschaft’ (18. Jh.), literarischer Nachlaß (19. Jh.); nachlässig Adj. ‘säumig, unzuverlässig, unordentlich’ (15. Jh.); vernachlässigen Vb. ‘nicht gehörig betreuen oder beachten’ (18. Jh., durch Lessing und Goethe verbreitet). niederlassen Vb. ‘von oben herunterlassen’, reflexiv ‘sich ansiedeln, einen festen Wohnsitz, ein Geschäft, eine Firma einrichten’, ahd. nidarlāʒan ‘sinken lassen, nach unten wenden, hinab-, herablassen, versenken’ (9. Jh.), mhd. niderlāʒen; Niederlassung f. ‘das Senken, Ansiedlung, Gründung eines geschäftlichen Unternehmens, Filiale’ (16. Jh.). überlassen Vb. ‘abtreten, übergeben, anheimstellen’ (15. Jh.). unterlassen Vb. ‘nicht tun, versäumen zu tun’, ahd. untarlāʒan (9. Jh.), mhd. underlāʒen ‘abstehen, nicht tun’; Unterlaß m. nur noch in der Fügung ohne Unterlaß ‘ohne Unterbrechung, unaufhörlich’, ahd. āno untarlāʒ, mhd. āne underlāʒ; vgl. ahd. untarlāʒ ‘Unterbrechung’ (9. Jh.), mhd. underlāʒ ‘das Innehalten, Unterbrechung, Beherbergen’, frühnhd. auch ‘Unterkunft, Lagerplatz’ (16. Jh.). verlassen Vb. ‘sich von einem Ort, von jmdm. entfernen, aufgeben, zurück-, alleinlassen’, reflexiv sich verlassen auf ‘vertrauen’, ahd. firlāʒan ‘entlassen, vorbei-, zurücklassen’ (8. Jh.), mhd. verlāʒen ‘fahrenlassen, fort-, loslassen, anbefehlen, verzeihen, zulassen, anvertrauen, hinterlassen, vertrauen’; Verlaß m. ‘Vertrauen, Zuverlässigkeit’ (19. Jh.), frühnhd. ‘Verabredung, Absprache’, auch ‘Hinterlassenschaft’, mhd. verlāʒ ‘Lässigkeit, Untätigkeit’; heute in der Wendung auf jmdn., etw. ist (kein) Verlaß, wohl aus dem Nd., vgl. dar is nien verlaat to (18. Jh.); verläßlich Adj. ‘zuverlässig’ (19. Jh.), dafür zuvor verlässig (18. Jh.). zulassen Vb. ‘gestatten, erlauben’, ahd. zuolāʒan ‘hinzulassen, zukommen lassen, zuschicken’ (10. Jh.), mhd. zuolāʒen; zulässig Adj. ‘erlaubt, gestattet’ (16. Jh.), ‘annehmbar, möglich’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Anlass · ↗Gelegenheit · ↗Möglichkeit · ↗Opportunität
Assoziationen
Synonymgruppe
Anlass · ↗Anregung · ↗Anreiz · ↗Anstoß · ↗Auslöser · ↗Beweggrund · ↗Grund · ↗Hintergrund · ↗Impuls · ↗Initialzündung · ↗Motiv · ↗Quelle · Stein des Anstoßes · ↗Stimulans · ↗Ursache · ↗Veranlassung · ↗Wirkursache · der tiefere Sinn · im Hintergrund stehen
Assoziationen
  • Fehler im System · ↗Störquelle · systematischer Fehler  ●  ↗Konstruktionsfehler  fig. · ↗Webfehler  fig. · ↗Erbsünde  geh., fig. · ↗Geburtsfehler  geh., fig. · Quelle allen Übels  geh. · da liegt der Hase im Pfeffer  ugs., fig. · da liegt der Hund begraben  ugs., fig.
  • (Krankheit) ohne bekannte Ursache  ●  ↗idiopathisch  fachspr.
  • Entlastung · ↗Rechtfertigung · Schuldbefreiung  ●  ↗Exkulpation  fachspr., lat.
  • (auf etwas) zurückgehen · (auf etwas) zurückzuführen sein · (die) Gründe (dafür) sind in (...) zu suchen · (durch etwas / jemanden) verursacht sein · (einer Sache) geschuldet sein · (einer Sache) zuzuschreiben sein · (in etwas / jemandem) begründet sein · (seine) Ursache haben in · (seinen) Ursprung haben in · ↗(sich einer Sache) verdanken · (sich) erklären (aus / durch) · (sich) herleiten von · Grund dafür ist · Ursache dafür ist · ausgehen von · basieren auf · beruhen auf · die Ursachen (dafür) sind in (...) zu sehen · ↗entstammen · herrühren von · kommen von · liegen an · resultieren aus
Synonymgruppe
Cocktailparty · ↗Feier · ↗Fete · ↗Party  ●  Anlass  schweiz. · ↗Festivität  scherzhaft
Unterbegriffe
  • Mitbringparty  ●  Buddelfete  niedersächsisch · Buddelparty  niedersächsisch · Buttelparty  norddeutsch
  • Abschiedsfeier · ↗Ausstand
  • Aufschlagfest · Bauheben · Firstbier · Hebauf · Hebefest · ↗Weihefest  ●  Aufrichte  schweiz. · Aufrichtfest  schweiz. · ↗Dachgleiche  österr. · Fensterbeer  plattdeutsch · ↗Firstfeier  österr. · Firstfest  österr. · ↗Gleichenfeier  österr. · ↗Richtfest  Hauptform
  • Einstand
  • Babybier · Babypinkeln · Kinderpinkeln · Kindpinkeln · Pinkelparty  ●  Pissparty  ugs. · Pullerparty  ugs.
  • Heizerball  seemännisch
  • Bachelorparty  engl. · ↗Junggesellenabschied  männl. · ↗Junggesellinnenabschied  weibl.
Assoziationen
Synonymgruppe
Anlass · ↗Grund · ↗Schuld · ↗Ursache
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Besorgnis Bestehen Feiern Freude Geburtstag Hoffnung Jahrestag Jubiläum Klage Kritik Optimismus Sorge Spekulation Streit Todestag Vermutung aktuell besonder bestehen bieten feierlich festlich geben gegeben konkret nehmen nichtig offiziell willkommen äußer

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anlass‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer von außen schaut, sieht keinen Anlass, sie zu betreten.
Die Zeit, 14.07.2013, Nr. 28
Bei allen anderen Anlässen jedoch verhalte man sich wie sonst auch.
Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 56
Sie haben keinen Anlaß, am freien Willen dieses Mannes zu zweifeln.
Der Spiegel, 13.04.1981
Das hagiographische Epos bietet natürlich besonderen Anlaß zum Protest gegen die Musen.
Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen: Francke 1993 [1948], S. 234
Trotzdem haben wir allen Anlaß, in Japan von einer besonderen schintoistischen Religion zu reden.
Gundert, Wilhelm: Schintoismus. In: Kern, Maximilian (Hg.) Das Licht des Ostens, Stuttgart: Union Deutsche Verlagsges. 1922, S. 897
Zitationshilfe
„Anlass“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Anlass>, abgerufen am 14.10.2019.

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