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Alltag, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungAll-tag
WortzerlegungallTag1
Wortbildung mit ›Alltag‹ als Erstglied: ↗Alltagsanzug · ↗Alltagserscheinung · ↗Alltagsgeschichte · ↗Alltagskleid · ↗Alltagskompetenz · ↗Alltagskultur · ↗Alltagsleben · ↗Alltagsmensch · ↗Alltagspflicht · ↗Alltagssorge · ↗Alltagssprache · ↗Alltagsszene · ↗Alltagstauglichkeit · ↗Alltagstheorie · ↗Alltagstrott · ↗Alltagsverstand · ↗Alltagsverständnis · ↗Alltagswirklichkeit · ↗alltagstauglich · ↗alltäglich
 ·  mit ›Alltag‹ als Letztglied: ↗Arbeitsalltag · ↗Behördenalltag · ↗Berufsalltag · ↗Familienalltag · ↗Fernsehalltag · ↗Lebensalltag · ↗Schulalltag
 ·  mit ›Alltag‹ als Grundform: ↗alltags
eWDG, 1967

Bedeutung

Werktag
Beispiele:
der geschäftige Alltag
der Lärm des Alltags
ein (künstlerisches) Erlebnis verschönt, verklärt den Alltag
etw. mit in den Alltag nehmen (= einen schönen Eindruck lange bewahren)
der Alltag des Dienstes [A. ZweigGrischa84]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

all · All · Weltall · allererst · allermeist · allerletzt · allerdings · allerhand · Allerheiligen · Allerseelen · allgemein · allmächtig · Allmacht · Alltag · alltäglich
all Adj. Indef.pron. ‘umfassend, ganz’, ahd. al (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. al, asächs. aengl. (auch eall), engl. schwed. all, anord. allr, got. alls (germ. *alla-) leiten sich her aus einer zur Wurzel ie. *al- ‘wachsen’ (s. ↗alt) gebildeten Partizipialform ie. *alnos ‘ausgewachsen, vollständig, komplett’; durch Assimilation von n an l entsteht germ. *alla-. Daneben ist eine zweite Form germ. *ala- anzusetzen, wie sie durch ahd. alawāri ‘freundlich’ (nhd.albern, s. d.), got. alamans ‘Menschheit’ (wörtlich ‘jedermann’) gefordert wird. Doch ist bei Verwandtschaft mit air. oll ‘groß, umfassend’, eigentlich ‘über das Gewöhnliche hinaus’, lat. alers, allers ‘gelehrt’ auch ein Anschluß der germ. Bildungen an ie. *al-, *ol- ‘darüber hinaus’ erwägenswert. Substantiviert All n. ‘das Gesamte, Universum’, zunächst für etw. von allumfassender Wichtigkeit, mhd. daʒ all für Gott, dann für einen geliebten Menschen (17. Jh.), für ‘Universum’ im heutigen Sinne (Lohenstein, 2. Hälfte 17. Jh.); dafür seit Mitte des 18. Jhs. auch verdeutlichend Weltall n. (Zesen, 17. Jh.); vgl. (wohl unter dt. Einfluß) dän. verdensalt, schwed. världsallt, engl. worldall. allererst Adj. (15. Jh., zuvor Adv.), ahd. allero ērist (9. Jh.), mhd. allerērst; das Adverb ahd. ērist ‘erst’ (s. ↗erst) wird verstärkt durch den Genitiv Plur. von al. Nach gleichem Prinzip sind gebildet allermeist Adj. ahd. allero meist(e) Adv. (9. Jh.), mhd. allermeist; allerletzt Adj. (um 1300); allerdings Adv. ‘in allen Dingen, in jeder Hinsicht’ (Mitte 16. Jh.), Zusammenrückung der genitivischen Fügung aller dings (15. Jh.), im 15./16. Jh. auch (Genitiv Plur.) allerding(e), nach mhd. aller dinge und allerdinge; seit dem 18. Jh. zunehmend in der Bedeutung ‘jedoch, freilich’; allerhand (indeklinabel) ‘von verschiedener Art’, Zusammenrückung (vereinzelt bereits mhd.) des Genitiv Plur. mhd. aller hande, zu mhd. hant in der Bedeutung ‘Art, Weise’; in neuerer Umgangssprache (19. Jh.) ‘ziemlich viel, unerhört’ (meist prädikativ). Allerheiligen n. katholisches Kirchenfest, zunächst in der Kombination aller heiligen tag (abend) oder tag aller heiligen (13. Jh.), seit dem 15. Jh. setzt sich Allerheiligen durch; vgl. (Kirchensprache) mlat. festum omnium sanctorum; entsprechend Allerseelen n. katholischer Gedenktag für die Verstorbenen (18. Jh.; doch vgl. schon up aller sielen, Köln 1526), älter Allerseelentag (15. Jh.) aus der genitivischen Fügung aller seelen tag (13. Jh.); vgl. (Kirchensprache) mlat. dies, commemoratio (omnium) animarum. allgemein Adj. ‘allseitig, generell’, mhd. algemeine Adv., selten Adj. ‘gemeinsam, insgesamt’, verstärkte Bildung zu ↗gemein (s. d.) in dessen alter Bedeutung ‘gemeinsam, gemeinschaftlich’. allmächtig Adj. ‘im Besitz uneingeschränkter Macht’, ahd. al(a)mahtīg (8. Jh.), mhd. almehtec, zunächst als Attribut Gottes Wiedergabe von kirchenlat. omnipotēns (s. ↗mächtig); Allmacht f. ‘uneingeschränkte Gewalt’ (15. Jh.), rückgebildet aus allmächtig, wie schon ahd. alamaht (um 1000) aus al(a)mahtīg. Alltag m. ‘gewöhnlicher Wochentag, Nichtfeiertag’, heute auch ‘tägliches Einerlei’. Ausgehend von mhd. altac Adv., später all(e)tag, mnd. al(le)dāgelīk Adj. ‘täglich, gewöhnlich’ entstehen zunächst Komposita wie mnd. al(le)dāgesklēt, al(le)dāgesrok, nhd. Alltagskleid, Alltagshose (17. Jh.), aus denen das Substantiv Alltag ‘gewöhnlicher Wochentag’ rückgebildet wird (um 1900); alltäglich Adj. ‘alle Tage, Tag für Tag’ (16. Jh.) heute auch ‘gewöhnlich, durchschnittlich’ zum Adverb altac, all(e)tag (s. oben); vgl. mhd. allertegelich, mnd. al(le)dāgelīk.

Thesaurus

Synonymgruppe
Alltag · ↗Alltagstrott · ↗Gewohnheit · ↗Joch · ↗Regelmäßigkeit · ↗Trott · täglicher Trott  ●  ↗Hamsterrad  fig. · ↗Routine  franz. · (die) Macht der Gewohnheit  ugs., Redensart · ↗Mühle  ugs. · ↗Tretmühle  ugs., fig.
Assoziationen
  • (etwas) gewohnt sein · (etwas) nicht anders kennen · (für jemanden) ganz normal sein · (sich) gewöhnt haben (an) · gewöhnt sein (an)
  • betriebsblind
  • Einerlei · ↗Eintönigkeit · ↗Gleichförmigkeit · ↗Monotonie · ↗Stumpfsinn · ↗Ununterscheidbarkeit · ↗Öde · ↗Ödnis  ●  ↗Ennui  geh. · ↗Langeweile  ugs. · ↗Langweile  ugs.
  • Trampelpfade (des Althergebrachten, bereits Bekannten o.ä.)  fig. · eingefahrene Bahnen  fig. · eingefahrene Gleise  fig.
  • Lebensführung · ↗Lebenswandel
  • (für jemanden) selbstverständlich werden · (sich) zu eigen (machen) · (sich) zur Gewohnheit machen · selbstverständlich werden (für) · ↗verinnerlichen · zur Selbstverständlichkeit werden  ●  (für jemanden) zur Gewohnheit werden  variabel · (für jemanden) zur zweiten Natur werden  variabel · (jemandem) zur Gewohnheit werden  variabel · (jemandem) zur zweiten Natur werden  variabel · in Fleisch und Blut übergehen (lassen)  fig. · ↗inkorporieren  geh. · ↗internalisieren  geh.
Synonymgruppe
Alltag · ↗Tagesgeschäft  ●  ↗Routine  franz. · täglich Brot  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absurdität Abwechslung Banalität Bewältigung Ding Einblick Hektik Held Mythe Niederung Normalität Tücke Widrigkeit banal beruflich bestimmen betrieblich bewältigen einholen einkehren entfliehen gehören grau meistern normal politisch prägen schildern trist wiederhaben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Alltag‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für viele ist es problematisch, den gemeinsamen Alltag zu bewältigen.
Die Zeit, 28.03.2011, Nr. 13
Wenn es das Zehren aus Büchern fürs eigene Leben meint, funktioniert es im drangsalierten Alltag nicht.
Müller,Herta: Der König verneigt sich und tötet, München: Carl Hanser Verlag 2003, S. 163
Der Alltag konnte danach nie mehr so aussehen wie zuvor.
Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 339
Auch daheim soll der Mann seiner Frau den Alltag freundlich machen.
Haluschka, Helene: Noch guter Ton? In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 3135
Ich las vor, ich bemühte mich, wieder in den Alltag hineinzukommen.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1937. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1937], S. 26
Zitationshilfe
„Alltag“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Alltag>, abgerufen am 22.09.2019.

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