Ader, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Ader · Nominativ Plural: Adern
Aussprache
Wortbildung mit ›Ader‹ als Erstglied: ↗Adergeschwulst · ↗Aderhaut · ↗Aderstrang · ↗aderig · ↗adrig · ↗äderig · ↗ädrig
 ·  mit ›Ader‹ als Letztglied: ↗Blattader · ↗Erzader · ↗Goldader · ↗Halsader · ↗Hauptader · ↗Krampfader · ↗Kupferader · ↗Lebensader · ↗Marmorader · ↗Pulsader · ↗Quarzader · ↗Schlagader · ↗Stirnader · ↗Stromader · ↗Verkehrsader · ↗Wasserader · ↗Zornader · ↗Zornesader
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Blutgefäß
Beispiele:
eine Ader abbinden, öffnen, (beim Spritzen) treffen
die Adern am Hals, auf der Stirn schwellen (an), treten hervor
in seinen Adern fließt Bauernblut
jmdn. zur Ader lassen (= jmdm. Blut abnehmen)
veraltet (jmdm.) die Ader schlagen (= jmdm. Blut abnehmen)
seine altersfleckige Hand mit den hohen blauen Adern [FalladaJeder stirbt82]
In meinen Adern welches Feuer! [GoetheWillkommen u. Abschied]
übertragen
Beispiel:
scherzhaft sie hat ihn zur Ader gelassen (= sie hat ihm Geld abgezapft)
2.
bildlich sich verzweigende Linie
Beispiel:
die Adern im Blatt, Gestein, Marmor
Erzgang
Beispiel:
der Bergmann fand, stieß auf eine ergiebige Ader
dichterisch Wasserlauf
Beispiel:
die Moldau, dieses Landes Ader [Grillp.LibussaV]
Technik Leitungsbahn
Beispiel:
dieses Kabel hat drei Adern
3.
meist im Singular
umgangssprachlich, übertragen Wesenszug, Veranlagung
Beispiele:
eine kritische, künstlerische, poetische, musikalische, freigebige Ader haben
er hat eine leichte Ader (= neigt zum Leichtsinn)
diese witzige Ader hat er von seinem Vater
keine Ader für etw. haben
veraltet Es ist keine falsche Ader an ihm [GoetheEgmontI]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ader · ädern · aderig · adrig · Aderlaß
Ader f. ‘Blutgefäß’. Ursprünglich bezeichnet das Wort jeden Rohrgang im Körper sowohl für Blut (daneben verdeutlichendes ahd. bluotādra) als auch für Luft, Speise, Wasser, Kot (daher auch ‘Darm, Eingeweide’) sowie röhrenähnliche Stränge im Körper (‘Sehne, Muskel’) und in anderen Stoffen (in Blättern, Holz u. dgl.; ahd. bereits im Sinne von ‘Wurzelfaser’ und ‘Wasserader’). Im Nhd. wird im Zusammenhang mit dem von der älteren Medizin häufig verordneten Aderlaß die Bedeutung ‘Blutgefäß’ vorherrschend. Die germ. Formen ahd. ādra (8. Jh.), mhd. āder, asächs. -āðara, mnd. āder(e), mnl. ādere, ādre, nl. ader, aengl. ædre, schwed. åder, anord. (ohne r-Suffix) æðr (aus *āðī) sind verwandt mit griech. ḗtor (ἦτορ) ‘Herz’ und ḗtron (ἦτρον) ‘Bauch, Unterleib’, (ablautend) air. inathar (aus *enōtro-) ‘Eingeweide’ und führen auf einen r-Stamm ie. *ēter- bzw. *ētṛ- ‘Eingeweide’. Mit der Bedeutung ‘Wesenszug, Veranlagung’ (z. B. eine poetische Ader haben) folgt Ader lat. Gebrauch und übersetzt lat. vēna. ädern Vb. ‘mit Adern, mit einem aderähnlichen Muster versehen’, mhd. ædern. aderig, adrig Adj. ‘mit Adern versehen, durchsetzt’, älter aderecht, mhd. ādereht; Zusammensetzungen wie zwei-, drei-, mehradrig schließen an Ader ‘stromführender Kabelstrang’ (Ende 19. Jh.) an. Aderlaß m. ‘Öffnung einer Vene zum Ablassen von Blut’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ader · ↗Erzgang
Anatomie
Synonymgruppe
Ader · ↗Blutader · ↗Blutgefäß · ↗Gefäß
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Ader · ↗Litze · Litzenleitung · ↗Seele
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adrenalin Blut Handrücken Schläfe Sehne aufschneiden durchziehen fließen gefrieren geplatzt geschwollen hervortreten hervortretend künstlerisch lyrisch masochistisch musisch poetisch pulsen pulsieren pulsierend pumpen rinnen romantisch schwellen verdrillt verengt verkalkt verstopfen verstopft

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ader‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als Regisseur hat er in den letzten Jahren eine immer stärkere spirituelle Ader entwickelt.
Der Tagesspiegel, 31.01.2001
Im ganz direkten Sinn beweist er seine politisch korrekte Ader.
Süddeutsche Zeitung, 20.05.1995
Es heißt zuweilen, Sie hätten preußisches Blut in Ihren Adern.
Der Spiegel, 14.10.1991
Mit einer leisen Bewegung fährt er über den schmalen Arm und glaubt, das leise Vibrieren des Blutes in den Adern zu spüren.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 292
Man muß sich unbedingt sagen, das Mädel hat anderes Blut in den Adern.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 08.10.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„Ader“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Ader>, abgerufen am 17.10.2019.

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