Abgang, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Abgang(e)s · Nominativ Plural: Abgänge
WorttrennungAb-gang (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Abgang‹ als Erstglied: ↗Abgangsdatum · ↗Abgangsexamen · ↗Abgangshafen · ↗Abgangsklasse · ↗Abgangsmeldung · ↗Abgangsschüler · ↗Abgangsstation · ↗Abgangszeit · ↗Abgangszeugnis · ↗Abgänger · ↗abgängig
 ·  mit ›Abgang‹ als Letztglied: ↗Harnabgang · ↗Kotabgang · ↗Lawinenabgang · ↗Schulabgang
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Weggang
a)
das Weggehen, Fortgehen
Beispiele:
ein unbemerkter, beschämender, rühmlicher, dramatischer Abgang
jmdm. den Abgang decken
jmdm. freien Abgang gewähren (= jmdm. freien Abzug gewähren)
salopp keinen Abgang finden (= nicht weggehen)
ich mochte bei meinem Abgang wohl die Tür ins Schloß geworfen ... haben [StormAquis submersus3,244]
Theater
Gegenwort zu Auftritt
Beispiele:
ein dankbarer Abgang im dritten Akt
sich einen guten, glänzenden Abgang (ver)schaffen, sichern
b)
Abfahrt
Beispiel:
nach Abgang des Zuges, Schiffes
c)
Absendung
Beispiel:
vor Abgang der Post, Ware
d)
Ausscheidung
Beispiel:
der Abgang der (Gallen)steine
2.
übertragen
a)
das Ausscheiden
Beispiele:
der Abgang von der Schule
von dem notwendigen Abgange (= von der notwendigen Pensionierung) des altersschwachen Oberförsters [Storm7,105]
b)
Tod
Beispiel:
Abgang heute nacht ... Embolie [A. ZweigJunge Frau113]
c)
landschaftlich Verlust
Beispiel:
als der Graf ... den Abgang seines Messers bemerkte [GanghoferHubertus338]
in Abgang kommenwegfallen
Beispiel:
Oft stirbt ein Wort, weil die bezeichnete Sache in Abgang kommt [MoserSprachgesch.53]
3.
Ausgang
Gegenwort zu Zugang
Beispiel:
der Abgang am Fahrkartenschalter
Gegenwort zu Aufgang
Beispiel:
der Abgang im S-Bahnhof
4.
Kaufmannssprache Absatz, Verkauf
Beispiel:
Die Papiermützen, Schnarren und Tuten ... hatten starken Abgang gefunden [Th. MannZauberb.2,460]
5.
Kaufmannssprache Schwund, Verlust
Beispiele:
der Abgang beim Obst
E Fund wird doch gerech'nt uf Abgang [G. Hauptm.WeberI]
Ihr seid nur aus Werg, aus dem Abgang (= Abfall) gesponnen [TieckFortunatII, I 1]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gehen · abgehen · Abgang · angehen · aufgehen · Aufgang · ausgehen · Ausgang · begehen · eingehen · Eingang · entgehen · ergehen · hintergehen · übergehen · Übergang · untergehen · Untergang · vergehen · Vergehen · Vergangenheit · vorgehen · Vorgang · Vorgänger
gehen Vb. ‘sich zu Fuß fortbewegen’. Im Paradigma von nhd. gehen sind die Formen von zwei verschiedenen, nicht miteinander verwandten Verben vereinigt. Das gemeingerm. starke Verb ahd. gangan (8. Jh.), mhd. gangen, asächs. aengl. gangan, mnl. ganghen, anord. ganga, got. gaggan gehört zu den reduplizierenden Verben und ist vielleicht als Rückbildung aus einem jan-Verb germ. *gangjan (vgl. ahd. zigengen ‘zergehen machen, vernichten’, um 1000, mhd. gengen ‘gehen machen, losgehen’, aengl. gengan ‘gehen, reisen, reiten’) anzusehen. Es ist verwandt mit ↗Gang (s. d.) und außergerm. mit aind. jáṅghā ‘Unterschenkel’, jáṁhaḥ ‘Flügel, Schwinge’, lit. žeñgti ‘schreiten, gehen’ und vielleicht griech. kochṓnē (κοχώνη) ‘Stelle zwischen den Schenkeln, Hinterbacke’. Erschließbar ist ie. *g̑hengh- ‘schreiten, Schritt, Schenkelspreize, Schamgegend’. Auf dieses durch ahd. gangan vertretene Verb gehen das Prät. (ging) und das Part. Prät. (gegangen) von nhd. gehen zurück. Daneben steht gleichbed. ahd. gān (8. Jh.) und (zunächst nur bair. und frk.) gēn (8. Jh.), mhd. gān, gēn, asächs. -gān, mnd. aengl. gān, engl. to go, mnl. gaen, nl. gaan, anord. aschwed. , krimgot. geen, das ahd. nur durch den Infinitiv und athematisch gebildete Präsensformen (gām, gās(t), gāt usw. neben gēm, gēs(t), gēt usw.) belegt ist (vgl. aber aengl. Part. Prät. gegān), die Infinitiv und Präsens des nhd. Verbs gehen ergeben haben. Dieses Verb verbindet sich mit griech. (homerisch) kichā́nein (κιχάνειν) ‘erreichen, erlangen, antreffen’, aind. jíhītē ‘springt auf, begibt sich zu’ und führt auf eine Wurzel ie. *g̑hē-, *g̑hēi- ‘leer sein, fehlen, verlassen, fortgehen’, dann auch ‘gehen’, wobei eine Identität mit ie. *g̑hēi-, *g̑hē- ‘gähnen, klaffen, offenstehen’ erwogen wird (s. ↗gähnen), da sich ‘fortgehen’ aus ‘klaffend abstehen’ entwickelt haben kann. abgehen Vb. ‘sich entfernen, fehlen, sterben, abschreiten’, ahd. abagangan, -gān ‘aufhören, vergehen’ (um 1000), mhd. abegān ‘abnehmen, etw. versagen, fehlen’; Abgang m. ‘Weggang, Tod, Weg nach unten’, mhd. abeganc ‘das Hinabgehen, ein hinabführender Weg, Mangel, Abfall’. angehen Vb. ‘beginnen, betreffen, um etw. bitten’, ahd. anagangan, -gān, -gēn (um 800), mhd. anegān ‘anfangen, hineingehen, folgen, angreifen’. aufgehen Vb. ‘sich öffnen, emporsteigen, sichtbar werden’, ahd. ūfgangan, -gān, -gēn (8. Jh.), mhd. ūfgān, -gēn ‘aufgehen, sich erheben, entstehen, gedeihen’; Aufgang m. ‘Erscheinen, Weg nach oben, Treppe’, ahd. ūfgang (8. Jh.), mhd. ūfganc. ausgehen Vb. ‘fortgehen, sich aufbrauchen, enden, abzielen auf etw.’, ahd. ūʒgangan, -gān, -gēn ‘hinausgehen, aufhören’ (8. Jh.), mhd. ūʒgān, -gēn ‘heraus-, hervorgehen, über die Ufer treten, zu Ende gehen, sich verlieren’; Ausgang m. ‘das Hinausgehen, Schluß, Ende, Weg nach außen’, ahd. ūʒgang (um 800), mhd. ūʒganc ‘das Herausgehen, Ausgang, Ende’. begehen Vb. ‘besichtigen, entlanggehen, feiern’, ahd. bigangan, -gān, -gēn (8. Jh.), mhd. begān, -gēn ‘erreichen, antreffen, sorgen um etw., feiern, zu Grabe geleiten’. eingehen Vb. ‘hineingehen, eintreffen, sich mit etw. oder jmdm. beschäftigen, kleiner werden, schrumpfen, aufhören zu existieren’, ahd. ingangan, -gān, -gēn ‘hineingehen, ein-, betreten, eindringen, überfallen’ (8. Jh.), mhd. īngān, asächs. mnd. ingān, got. inngaggan. Eingang m. ‘Öffnung, Tür, Ankunft, Weg nach innen’, ahd. ingang (8. Jh.), mhd. īn-, inganc. entgehen Vb. ‘entkommen, nicht bemerkt werden’, ahd. intgangan, -gān, -gēn (9. Jh.), mhd. engān, -gēn ‘entkommen, fortgehen, verlorengehen, sich entziehen’. ergehen Vb. ‘angeordnet werden’, reflexiv ‘spazierengehen’, auch unpersönlich mir ergeht es gut, schlecht, ahd. irgangan, -gān, -gēn (9. Jh.), mhd. ergān, -gēn ‘zu gehen beginnen, kommen, geschehen, sich ereignen, einholen, zu Ende gehen’. hintergehen Vb. ‘betrügen, täuschen’, spätmhd. hindergān ‘von hinten herangehen, überfallen, betrügen’. übergehen Vb. ‘nicht beachten, übersehen, überlaufen, überfließen’, ahd. ubargangan, ubar(i)gān ‘überströmen, hinübergehen’ (8. Jh.), mhd. übergān, -gēn ‘übergehen, -fließen, vorübergehen, über etw. gehen, überfallen, übertreten’; Übergang m. ‘überführender Weg, das Überschreiten, Wechsel’, ahd. ubargang ‘das Herausgehen, Abweichung, Verderben, Seuche, Pest’ (8. Jh.), frühnhd. übergang ‘das Hinübergehen, Durchgang, Stelle, wo man hinübergeht’ (15. Jh.). untergehen Vb. ‘zugrunde gehen, versinken’, ahd. untargangan, -gān, -gēn (um 800), mhd. untergān, -gēn ‘dazwischentreten, überkommen, befallen, versperren’; Untergang m. ‘das Zugrundegehen, Scheitern, Sinken’, ahd. untargang (9. Jh.), mhd. underganc ‘Verderben, Sinken (der Sonne), Unterwerfung, Schiedsgericht’. vergehen Vb. ‘aufhören zu existieren, vorbeigehen, verstreichen’, reflexiv ‘gegen eine Norm verstoßen, ein Verbrechen an jmdm. ausführen’, ahd. firgangan, -gān, -gēn ‘vorwärtsgehen, verstreichen’ (9. Jh.), mhd. vergān, -gēn, auch ‘übergehen, meiden, auseinandergehen, sich verirren’; Vergehen n. ‘zu bestrafende Handlung, Verbrechen’ (18. Jh.), vgl. mhd. vergān ‘das Vorübergehen, Hinweggehen’; Vergangenheit f. ‘zurückliegende, verflossene Zeit’ (18. Jh.), in diesem Sinne grammatischer Terminus für Zeitformen des Verbs, die ein Geschehen oder Sein als vergangen darstellen (19. Jh.), vgl. di vergangen zeit (um 1400), die verlauffene Zeit (Anfang 17. Jh.). vorgehen Vb. ‘vorwärtsgehen, nach vorn gehen, den Vorrang haben, sich ereignen’, ahd. foragangan, -gān, -gēn (8. Jh.), mhd. vor-, vürgān ‘vorangehen, übertreffen’; Vorgang m. ‘Ereignis, Ablauf eines Geschehens, in den Akten festgehaltener Fall’, mhd. vor-, vürganc ‘das Vorausgehende, Einleitung, Vortritt, Fortschritt, Erfolg’; Vorgänger m. ‘in Amt oder Stellung Vorangegangener’, spätmhd. vorganger, -genger.

Thesaurus

Synonymgruppe
Abgang · ↗Absendung (Warenversand) · ↗Versand
Synonymgruppe
Abdankung · Abdikation · Abgang · Amtsabtretung · ↗Amtsaufgabe · ↗Amtsniederlegung · Ausscheiden · ↗Demission · Renunziation · ↗Rücktritt · ↗Rückzug
Synonymgruppe
Abgang (aus dem Bestand)  ●  Bestandsbereinigung  fachspr. · Deakzession  fachspr.
Synonymgruppe
Abgang · Verlassen der Bühne
Antonyme
  • Abgang
Synonymgruppe
Abfahrt · Abgang · ↗Abreise · ↗Abzug · ↗Aufbruch · ↗Fahrtbeginn · ↗Fortgang · ↗Start · Verschwinden · ↗Weggang
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Lawine Leistungsträger abrupt altersbedingt angekündigt baldig bevorstehend bitter ehrenhaft ehrenvoll erzwungen freiwillig kompensieren natürlich prominent ruhmlos schmählich spektakulär stilvoll unfreiwillig unrühmlich unwürdig verkraften verschaffen versüßen vorzeitig würdevoll würdig überraschend überstürzt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Abgang‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dreieinhalb Jahre später wird dies wiederholt beziehungsweise zehn bis zwölf Jahre nach Abgang von der Schule.
Die Welt, 28.08.2003
Inzwischen ist aller Ärger über den Abgang von Köln verfolgen.
Der Tagesspiegel, 02.12.2000
Nach dem Abgang des Arztes muß ich lange geschwiegen haben.
Seghers, Anna: Transit, Gütersloh: Bertelsmann 1995 [1943], S. 137
Wie aber wird an sprunghohen Geräten, bei schwierigen Übungen und Abgängen Hilfe geleistet?
Borrmann, Günter u. Mügge, Hans: Gerätturnen in der Schule, Berlin: Volk u. Wissen 1957, S. 95
Der Abgang der beiden Musiker veranlaßte einen berühmt gewordenen Wettbewerb.
Garros, Madeleine: Du Mont. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1954], S. 30391
Zitationshilfe
„Abgang“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Abgang>, abgerufen am 18.06.2019.

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