überschnappen

GrammatikVerb · schnappte über, hat/ist übergeschnappt
Aussprache
Worttrennungüber-schnap-pen
Wortzerlegungüber-schnappen
Wortbildung mit ›überschnappen‹ als Grundform: ↗übergeschnappt
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹, mit Hilfsverb ›ist‹
das Schloss schnappt überder Riegel des Schlosses schnappt über die Zuhaltung
Beispiel:
der Riegel des Schlosses hat, ist übergeschnappt, sodass sich die Tür nicht verschließen lässt
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
umgangssprachlich
Beispiel:
seine Stimme schnappt über (= überschlägt sich)
3.
mit Hilfsverb ›ist‹
salopp jmd. schnappt überjmd. verliert den Verstand
Beispiel:
er ist so in seine Aufgabe verbohrt, dass er bald überschnappt
meist im Part. Prät.
übergeschnappt sein(ein bisschen) verrückt sein
Beispiele:
ich glaube, er ist übergeschnappt
du bist wohl ganz und gar übergeschnappt?
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schnappen · überschnappen · übergeschnappt · schnapp · Schnapphahn · Schnappschuß
schnappen Vb. ‘(mit Mund, Maul, Schnauze, Schnabel bzw. vergleichbaren Geräten geräuschvoll) ergreifen und festhalten, zupacken, eine schnell zufassende Bewegung machen, schnell zuklappen’, mhd. snappen intransitiv ‘schnappen, wanken, plaudern, schwatzen’, transitiv ‘jmdn., etw. packen, angreifen, schnappend essen bzw. fressen’, mnd. snappen ‘nach Atem schnappen, plappern, schwatzen’, mnl. snappen ‘schwatzen’, nl. snappen ‘erhaschen, verstehen, schwatzen’ stehen mit expressiver Konsonantendopplung neben mhd. snaben, auch (md.) sneben ‘schnelle und klappernde Bewegungen machen, schnauben, hüpfen, stolpern, wanken’, transitiv ‘stoßen’, nl. (mundartlich) snāpen ‘schnappen’, fläm. snaperen ‘naschen’, anord. snapa ‘schnappen’, isl. snapa, auch ‘schmarotzen’. Sämtlich lautmalende Bildungen (s. auch einen anderen Vokal aufweisendes ↗schnippen) mit anlautendem germ. sn- (s. ↗Schnabel). überschnappen Vb. ‘fehlerhaft einrasten, überdrehen’ (17. Jh.), von der Stimme ‘sich überschlagen’ (18. Jh.), vom Verstand ‘ein bißchen verrückt werden’ (Anfang 19. Jh.). übergeschnappt Part.adj. ‘wirr im Kopf’ (19. Jh.). schnapp Interjektion ein schnappendes Geräusch nachahmend; dazu mit Sekundärablaut schnippschnapp (15. Jh.), mhd. snippensnap. Schnapphahn m. ‘berittener Wegelagerer’ (15. Jh.), dann ‘Dieb, Wegelagerer’ überhaupt (16. Jh.), zu schnappen ‘schnell zufassen’ und Hahn ‘kecker Kerl’. Vgl. mhd. snap m. ‘das Schnappen, Straßenraub, Geschwätz’. Schnappschuß m. schnell zupackender Schuß (Jägersprache), abgefeuert ohne genaues Anvisieren auf ein sich rasch bewegendes Nahziel (19. Jh.); ‘Momentaufnahme’ mit dem Fotoapparat (1. Hälfte 20. Jh.), nach engl. snapshot (vgl. aus dem Mnd. oder Mnl. entlehntes engl. to snap ‘schnappen’).

Thesaurus

Synonymgruppe
(einen) Wutanfall kriegen · ↗(sich) vergessen · die Beherrschung verlieren · die Nerven verlieren · ↗herumwüten · verrückt werden  ●  ↗explodieren  fig. · (beinahe) platzen (vor Wut)  ugs. · (quasi) Schaum vorm Mund haben  ugs. · Gift und Galle spucken  ugs. · ↗abgehen  ugs. · abspacen  ugs. · an die Decke gehen  ugs., fig. · aus der Haut fahren  ugs. · ↗ausflippen  ugs. · ↗ausklinken  ugs. · ↗ausrasten  ugs. · ↗austicken  ugs. · auszucken  ugs., österr. · ↗durchdrehen  ugs. · einen Rappel kriegen  ugs. · einen Tobsuchtsanfall kriegen  ugs. · hochgehen wie ein HB-Männchen  ugs. · hochgehen wie eine Rakete  ugs. · vor Wut schäumen  ugs., fig. · überschnappen  ugs.
Assoziationen
  • (die) Wut kriegen · (die) kalte Wut kriegen · (jemanden) packt die Wut · in Rage geraten · in Rage kommen · in Wut geraten · mit der Faust auf den Tisch hauen · mit der Faust auf den Tisch schlagen · sehr aufgebracht sein · sehr erbost sein · sehr erregt sein · sehr wütend sein · sehr zornig sein · wütend werden  ●  (das) kalte Kotzen kriegen  derb · (gleich) Amok laufen (Übertreibung)  ugs. · (jemandem) geht das Messer in der Tasche auf  ugs., fig. · (jemandem) platzt (gleich) der Kragen  ugs. · (jemanden) packt der helle Zorn  geh. · an die Decke gehen  ugs. · auf 180 sein  ugs. · auf hundertachtzig sein  ugs. · böse werden  ugs., Kindersprache · die Platze kriegen  ugs. · hochgehen wie ein HB-Männchen  ugs., veraltet · hochgehen wie eine Rakete  ugs. · in die Luft fliegen  ugs. · in die Luft gehen  ugs. · kurz vorm Explodieren sein  ugs. · kurz vorm Überkochen sein  ugs. · rasend werden  ugs. · ↗rotsehen  ugs. · ↗zürnen  geh., veraltet
  • (sich) aufregen · ↗(sich) empören · ↗(sich) entrüsten · ↗(sich) ereifern · ↗(sich) erregen · ↗aufbrausen · außer sich geraten · in Wallung geraten · in Wallung kommen · in Wut geraten · wütend werden  ●  ↗(sich) echauffieren  franz. · aus der Haut fahren  fig. · die Wände hochgehen  fig. · einen Tanz aufführen  ugs., fig.
  • (total) von der Rolle · ↗geistesgestört · ↗geisteskrank · geistig umnachtet · ↗psychotisch · unter Wahnvorstellungen leidend · ↗unzurechnungsfähig · ↗verrückt (geworden) · ↗wahnsinnig  ●  ↗(total) durchgeknallt  ugs. · ballaballa  ugs. · ↗bekloppt  ugs. · durch den Wind  ugs. · durchgedreht  ugs. · ↗gaga  ugs. · ↗irre  ugs. · ↗irrsinnig  ugs. · ↗jeck  ugs., kölsch · narrisch  ugs., bair. · nasch  ugs., bair. · von Sinnen  geh., veraltet, literarisch
  • außer sich (vor Wut) · ↗bitterböse · ↗blindwütig · ↗fuchsteufelswild · in blinder Wut · in maßloser Wut · ↗rasend · ↗tobsüchtig · vor Wut schäumen(d) · wie eine Furie · ↗wutentbrannt · ↗wutschnaubend  ●  auf 180  ugs. · auf hundertachtzig  ugs. · kurz vorm Explodieren (sein)  ugs. · mordssauer  ugs. · ↗stinksauer  ugs. · ↗stinkwütend  ugs. · ↗stocksauer  ugs.
  • herumspringen wie Rumpelstilzchen  ●  herumspringen wie ein HB-Männchen  veraltend, fig. · im Dreieck springen  Hauptform, fig. · im Sechseck springen  fig.
  • (die) Fassung verlieren · (die) Kontrolle verlieren · ↗(sich) gehen lassen · (sich) keinen Zwang antun · (sich) nicht beherrschen (können)
  • (sich) vergessen · seine gute Erziehung vergessen · seine gute Kinderstube vergessen
  • (sich) nicht mehr unter Kontrolle haben · außer Kontrolle geraten · nicht mehr wissen, was man tut  ●  (bei jemandem) brennt eine Sicherung durch  ugs., fig. · ↗(total) durchdrehen  ugs. · total ausflippen  ugs.
  • (das ist) zum Auswachsen!  ugs. · (das ist) zum Verrücktwerden!  ugs. · (das ist) zum Verzweifeln!  ugs. · das hältst du (doch) im Kopf nicht aus!  ugs. · das ist (ja) nicht auszuhalten!  ugs. · das ist (ja) nicht zum Aushalten!  ugs. · gleich platzt mir die Hutschnur!  ugs., veraltend · ich dreh (hier noch) durch!  ugs. · ich dreh am Rad!  ugs., fig. · ich krieg die Krise!  ugs. · ich krieg zu viel!  ugs. · ich spring gleich aus dem Fenster!  ugs. · mir platzt gleich der Arsch!  derb · mir platzt gleich der Kragen!  ugs., veraltend
  • Wutanfall · ↗Wutausbruch  ●  ↗Ausraster  ugs. · aggressive Aufwallung  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

du schnappen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›überschnappen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jetzt ist sie übergeschnappt, aber wenn es sie motiviert, in Gottes Namen.
Der Tagesspiegel, 27.11.2002
Wenn der Gegner einen ernst nimmt, muß man deswegen nicht überschnappen.
Süddeutsche Zeitung, 09.06.1995
Sie hatte ohnehin den Kopf schon so voll und würde gewiss überschnappen.
Die Zeit, 30.05.2007, Nr. 23
Aus Erfahrung bin ich diplomatisch geworden, denn auf diesem Gebiet sind sie alle mehr oder weniger übergeschnappt, das muß man wissen.
Die Welt, 19.11.2005
Der rumänische Parteiführer Nicolae Ceausescu, der hernach erst überschnappen und dann zerstörerisch regieren sollte, fiel damals vorteilhaft aus der Reihe.
Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 187
Zitationshilfe
„überschnappen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/überschnappen>, abgerufen am 20.07.2019.

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