überlaufen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungüber-lau-fen (computergeneriert)
Wortzerlegungüber-laufen
Wortbildung mit ›überlaufen‹ als Erstglied: ↗Überlaufblase · ↗Überläufer  ·  mit ›überlaufen‹ als Grundform: ↗Überlauf
eWDG, 1976

Bedeutungen

I.
läuft über (Präsens), lief über, ›ist‹, übergelaufen
1.
etw. läuft über
a)
etw. läuft, fließt über den Rand eines Gefäßes
Beispiele:
die Milch, Suppe ist übergelaufen
das Benzin ist übergelaufen
b)
etw. ist so voll, dass der Inhalt überfließt
Beispiel:
der Eimer, Topf, die Badewanne läuft über, ist übergelaufen
bildlich
Beispiel:
jmdm. läuft die Galle über (= jmd. wird wütend)
2.
auf die Seite überwechseln, gegen die man bis zu diesem Zeitpunkt gekämpft hat, zum Feind übergehen
Beispiel:
er ist (zum Gegner) übergelaufen
II.
überläuft (Präsens), überlief, ›hat‹, überlaufen
1.
etw. überläuft jmdn.etw. ergreift, erfasst jmdn.
Beispiele:
ein Schauder überlief uns
es überlief mich kalt, eiskalt, heiß, als ...
Angst, Schrecken überlief (= überkam) mich
ihn fror entschieden, Schauer überliefen ihn wiederholt [Th. MannZauberb.2,147]
2.
umgangssprachlich jmdn., etw. überlaufenjmdn., etw. zu oft aufsuchen, in Anspruch nehmen
meist im Passiv
Beispiel:
wie wir im vorigen Winter von ... allen möglichen Bekannten überlaufen wurden [BredelSöhne199]
meist im Part. Prät.
überlaufen sein
Beispiele:
die Sprechstunde des Arztes, der Kurort ist (sehr) überlaufen
der Park ist sonntags immer überlaufen
bildlich
Beispiel:
ich rate dir von diesem Beruf ab, er ist ziemlich überlaufen (= es besteht zuviel Andrang zu diesem Beruf)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

laufen · Lauf · Läufer · Zeitläufte · Lauft · Zeitlauf · läufig · geläufig · beiläufig · landläufig · vorläufig · ablaufen · Ablauf · anlaufen · Anlauf · auflaufen · Auflauf · auslaufen · Auslauf · belaufen · einlaufen · Einlauf · überlaufen · Überläufer · verlaufen · Verlauf · zerlaufen · Laufbahn · Lauffeuer · Laufgraben · Laufpaß · Laufzettel
laufen Vb. ‘(zu Fuß) gehen, rennen, fließen’. Für das gemeingerm. reduplizierende Verb ahd. (h)loufan (8. Jh.), mhd. loufen, asächs. -hlōpan, mnd. mnl. lōpen, nl. lopen, aengl. hlēapan ‘laufen, treten, tanzen’, engl. to leap ‘springen, hüpfen’, anord. hlaupa ‘laufen, springen’, schwed. löpa ‘laufen’, got. ushlaupan ‘aufspringen’ sind ie. Verwandte nicht mit Sicherheit nachzuweisen; eine (lautlich mögliche) Verbindung mit lit. šlubúoti ‘lahmen, hinken’ bzw. klùpti ‘niederknien, stolpern’ befriedigt semantisch nicht. Seebold 261 sieht Anknüpfungsmöglichkeiten in lit. keliáuti ‘wandern, reisen’, griech. kéleuthos (κέλευθος) ‘Weg, Pfad, Bahn, Reise’. Dann vielleicht über eine Erweiterung ie. *keleu- ‘wandern, Weg’ zur Wurzel ie. *kel- ‘treiben, zu schneller Bewegung antreiben’ (s. ↗halten)? Die Vorstellung größerer Schnelligkeit tritt in neuerer Sprache vielfach zurück, so daß laufen für gehen eintreten kann. In nhd. Zeit wird laufen häufig auf Bewegungen von Fahrzeugen und Maschinen und speziell von Flüssigkeiten bezogen. Lauf m. ‘das Laufen, Verlauf, Flußlauf, Bein des Haarwilds’, auch ‘Rohr von Handfeuerwaffen’ (vgl. Gewehrlauf), ahd. (h)louf (9. Jh.), mhd. louf, mnd. lōp, mnl. nl. loop ‘Gang, Lauf, Verlauf’, anord. hlaupr ‘Sprung’ führen auf germ. *hlaupa-, daneben (mit anderer Stammbildung) aengl. hlīep ‘Sprung’, anord. hlaup n. ‘Sprung, Lauf, Galopp (des Pferdes)’. Im Dt. auch das ti-Abstraktum germ. *hlaufti- mit ahd. (h)louft (8. Jh.), mhd. louft, nhd. (älter) Lauft, erhalten in Zeitläufte (s. unten). Läufer m. ‘wer (gut) läuft, Sportler einer Laufdisziplin, langer Teppich’, ahd. (h)loufāri (um 800), mhd. loufære, löufære ‘Bote, Rennpferd’. Zeitläufte Plur. ‘Zeitabschnitte mit ihren Ereignissen’ (18. Jh.), Zusammensetzung mit Lauft m. das im Anschluß an ahd. (h)louft (9. Jh.), mhd. louft im älteren Nhd. neben Lauf (s. oben) gebraucht wird; daneben Zeitlauf m. seit dem 17. Jh. bezeugt und im Sing. wie im Plur. verwendet. läufig Adj. ‘brünstig’, besonders von Hunden (15. Jh.), mhd. löufec, löufic ‘gangbar, bewandert, gerieben’, noch bis ins 18. Jh. im Sinne von ‘häufig vorkommend, gebräuchlich’ (wofür dann geläufig). geläufig Adj. ‘häufig vorkommend, allgemein bekannt, vertraut, fließend, perfekt’ (17. Jh.). beiläufig Adj. ‘wie zufällig, nebenher’, (südd.) ‘ungefähr’ (um 1500), daneben frühnhd. auch beiläuftig (15. Jh.). landläufig Adj. ‘üblich, allgemein bekannt’, frühnhd. lantlöufig, auch ‘im Lande umgehend’ (15. Jh.). vorläufig Adj. ‘nicht endgültig, einstweilig’ (17. Jh.), eigentlich ‘vorher-, vorausgehend’. ablaufen Vb. ‘weglaufen, abfließen, zu Ende gehen, sich ereignen, seinen Verlauf nehmen’, mhd. abeloufen; Ablauf m. ‘das Ablaufen, Abfluß(graben), Verlauf’, mhd. abelouf. anlaufen Vb. ‘sich in Bewegung setzen, anstürmen, ansteuern, beginnen, beschlagen, zunehmen’, ahd. ana(h)loufan (9. Jh.), mhd. aneloufen; Anlauf m. ‘das Anlaufen, Beginn, Anstoß’, ahd. ana(h)louf (10./11. Jh.), ana(h)louft (8. Jh.), mhd. anlouf ‘Ansturm, Angriff’. auflaufen Vb. ‘auf Grund laufen, aufgehen, anwachsen’, mhd. ūfloufen, auch ‘einen Auflauf bilden, anschwellen’; Auflauf m. ‘Zusammenlaufen einer erregten Menschenmenge’, mhd. ūflouf; ‘überbackene Speise’ (19. Jh.). auslaufen Vb. ‘herausfahren, zu Ende gehen, aufhören’, mhd. ūʒloufen, auch ‘hinauslaufen, entlaufen’; Auslauf m. ‘das Auslaufen, Strecke hinter dem Ziel’, mhd. ūʒlouf ‘Auszug, Durchfall, Ruhr’. belaufen Vb. ‘anlaufen, beschlagen’, sich belaufen auf ‘betragen’, mhd. beloufen, auch ‘durchlaufen, überlaufen’. einlaufen Vb. ‘kleiner werden, ankommen, eingehen’ (17. Jh.). Einlauf m. ‘Ankunft am Ziel, Darmspülung’, frühnhd. ‘Einfall, das Eindringen’ (16. Jh.). überlaufen Vb. ‘desertieren, überfließen’, mhd. überloufen, auch ‘treffen, befallen, übergehen, auslassen, durchlaufen’; Überläufer m. ‘Deserteur’ (15. Jh.), mhd. überloufer ‘wer etw. kurz behandelt, abtut’. verlaufen Vb. ‘ablaufen, vergehen, verirren’, ahd. fir(h)loufan ‘vorauslaufen, überholen’ (9. Jh.), ‘vergehen’ (um 1000), mhd. verloufen, auch ‘vorüberlaufen, sich begeben, sich abnützen’; Verlauf m. ‘Ablauf, Entwicklung, Vorgang’ (15. Jh.). zerlaufen Vb. ‘auseinandergehen, -fließen’, ahd. zi(h)loufan ‘herab-, auseinanderlaufen’ (8. Jh.), mhd. zerloufen, auch ‘vergehen’. Laufbahn f. ‘Bahn für Wettrennen’ (17. Jh.), ‘Werdegang, Berufsweg’ (seit dem 18. Jh. als Verdeutschung von ↗Karriere, s. d.). Lauffeuer n. ‘Feuer (zur Fernzündung), das sich über einen Strich ausgeschütteten Pulvers bewegt’ (17. Jh.), in der Wendung wie ein Lauffeuer (sich ausbreiten) ‘sehr schnell’; in jüngerer Zeit als ‘sich schnell (über trockenes Laub und Gras hin) ausbreitendes Feuer’ aufgefaßt (vgl. schweiz. Laubfeuer). Laufgraben m. ‘zum Schutz vor Geschossen angelegter Graben’ (16. Jh.). Laufpaß m. ‘Ausweis für entlassene (invalide) Soldaten und Arbeitsuchende, der die freie Bewegung innerhalb eines Landes zusichert’ (18. Jh.), heute noch in der Wendung jmdm. den Laufpaß geben ‘jmdn. wegschicken’. Laufzettel m. zunächst (17. Jh.) wie jüngeres Laufpaß, dann ‘Zettel an Werkstücken zur Eintragung bestimmter Arbeitsgänge, Zettel, der durch eine Reihe von Büros läuft’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) absetzen · ↗abfallen · abtrünnig werden · ↗desertieren · überlaufen
Synonymgruppe
überlaufen · ↗überquellen · ↗überschwappen · übervoll sein

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausbildungsberuf Beruf Fach Hochschule Insel Küste Ort Seminar Skigebiet Strand Studiengang Universität Veranstaltung Vorlesung geradezu hoffnungslos lassen längst nie oft stets touristisch völlig wenig weniger

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›überlaufen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Immer häufiger laufen sie über, und dann sieht es so aus wie auf dem Foto.
Bild, 17.09.2002
Sie sagt, das Blut, das unaufhörlich aus ihr herausfloß, ließ das Becken überlaufen.
Süddeutsche Zeitung, 08.05.1996
Er glaubte gekocht zu werden, und überall lief es über.
Schaeffer, Albrecht: Helianth II, Bonn: Weidle 1995 [1920], S. 1012
Gut nur, daß ein großer See dazwischen ist, sonst wäre schon mancher von ihnen übergelaufen.
Brief von Oskar Greulich vom 24.04.1916. In: Witkop, Philipp (Hg.), Kriegsbriefe gefallener Studenten, München: Müller 1928 [1916], S. 222
Oder es überläuft mich kalt und heiß und wieder kalt.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 12.04.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„überlaufen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/überlaufen>, abgerufen am 19.10.2019.

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