überhaupt

GrammatikAdverb
Aussprache
Worttrennungüber-haupt (computergeneriert)
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
aufs Ganze gesehen, insgesamt (gesehen)
Beispiele:
soweit es überhaupt Zweck hat, soweit überhaupt dazu etw. zu sagen ist, möchte ich bemerken, dass ...
diese Entdeckung hat große Bedeutung für die Wissenschaft überhaupt
überhaupt fühlte er sich jetzt wohler
ich habe ihn gestern nicht angetroffen, er ist überhaupt selten zu Hause
ich werde es durchführen, soweit ich heute überhaupt, überhaupt heute schon eine Zusage machen kann
2.
überhaupt nichtverstärkt eine Verneinung   ganz und gar nicht
Beispiele:
das ist überhaupt nicht möglich, überhaupt nicht wahr
das war überhaupt nicht vorgesehen
das geht dich überhaupt nichts (= gar nichts) an!
sie hat uns überhaupt nichts erzählt
dazu hat er überhaupt kein (= gar kein) Recht
ich habe überhaupt keine Lust, Zeit dazu
überhaupt kein Geld, keinen Hunger, kein Interesse haben
3.
umgangssprachlich außerdem, abgesehen davon, überdies
Beispiele:
weshalb du dich nur so ereiferst, und überhaupt, das ist doch meine Sache!
ach, überhaupt, da fällt mir noch etwas ein
4.
partikelhaft meist im Fragesatz; verstärkt die Frage und verleiht ihr Anschaulichkeit
eigentlich, denn
Beispiele:
wie war das überhaupt möglich?
ist das alles überhaupt (noch) sinnvoll?
wer hat dir das überhaupt gesagt?
was ist jetzt überhaupt deine Tätigkeit?
kannst du überhaupt schwimmen?
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

über · überall · überein · überhaupt · übrig · übrigens · erübrigen · Überbein · überraschen · Überraschung
über Präp. zur Angabe einer räumlichen Lage ‘oberhalb’ (das Bild hängt über dem Schrank), ‘unmittelbar darauf’ (eine Schürze über dem Kleid tragen), einer nach oben gerichteten Bewegung (über etw. springen) oder Erstreckung (der Baum ragt über das Dach hinaus), einer von oben nach unten gerichteten Bewegung (Wasser über das Beet gießen), einer in die Zukunft weisenden Zeitspanne (über ein Jahr kommen wir zurück), eines Zeitraumes (über Ostern); Adv. zur Bezeichnung des Überschreitens einer Quantität, Qualität, Intensität ‘mehr als’ (über drei Kilo, über zwei Wochen), als Wortpaar über und über ‘völlig, ganz und gar, von oben bis unten’. Ahd. ubar (8. Jh.), ubari Adv. (8. Jh.), mhd. über, (md.) uber, ober, asächs. oƀar, oƀer, ofer, mnd. mnl. ōver, nl. over, aengl. ofer, engl. over, anord. yfir, schwed. över, got. ufar Präp., ufaro Adv. führen mit den außergerm. Verwandten aind. upári ‘oben, über’, awest. upairī̌, griech. hýper, hypér (ὕπερ, ὑπέρ) ‘über, im Übermaß, über … hinaus, oberhalb’, lat. (mit s-Präfix) super ‘oben, auf, darüber’, air. for ‘über, über … hinaus’ auf ie. *upér(i) ‘über, oberhalb’, auch ‘über … hinaus’, eine Bildung mit komparativischem r-Suffix zu ie. *upo, *up, *eup ‘unten an etw. heran’, dann ‘von unten hinauf, über’ (s. ↗auf, ↗ob). Die mhd. nhd. Form über (mit Umlaut) geht auf das Adverb ahd. ubari zurück. überall Adv. ‘an allen Orten, bei jeder Gelegenheit’, ahd. ubaral (8. Jh.), mhd. überal, zusammengesetzt mit dem Akkusativ Neutr. von ↗all (s. d.); vgl. mnd. mnl. ōveral, nl. overal, aengl. ofereall, engl. overall (‘umfassend’). überein Adv. ‘gleichmäßig, zusammenstimmend’, übereins (15. Jh.), mhd. überein, Zusammenrückung von mhd. über ein(ez) ‘in einem Sinne, gleichmäßig, ganz und gar’. überhaupt Adv. ‘insgesamt (gesehen)’ (15. Jh.), verstärkend bei Verneinungen (vgl. überhaupt nicht ‘ganz und gar nicht’, 18. Jh.), als Partikel in Fragesätzen ‘eigentlich, denn’ (Ende 17. Jh.), in der Handelssprache im Sinne von ‘in Bausch und Bogen, im ganzen, en gros’, vgl. überhaupt kaufen (‘insgesamt, nicht einzeln nachgezählt oder gewogen kaufen’, 18. Jh.). Zusammenrückung der Präp. ↗über mit dem Akkusativ des Substantivs ↗Haupt (s. d.), vgl. mhd. über houbet ‘über das Haupt, die Häupter hin’, d. h. ‘ohne die Stücke (Vieh, dann auch Menschen) zu zählen’; eine wohl aus der Viehwirtschaft stammende Fügung. übrig Adj. ‘(als Rest) vorhanden, verbleibend, restlich’, mhd. überic, überec; auch ‘überflüssig, überschüssig, zuviel’, vgl. ein übriges tun ‘mehr tun, als verlangt wird, als nötig ist’ (16. Jh.), aus der theologischen Sprache der Reformationszeit, eigentlich ‘mehr tun, als Gott von einem verlangt’; dazu übrigens Adv. ‘nebenbei bemerkt, gesagt, außerdem’ (Ende 17. Jh.; wohl in Analogie zu erstens); dafür auch im übrigen ‘ansonsten, außerdem’ (17. Jh.); erübrigen Vb. ‘etw. übriglassen, ein-, ersparen’, reflexiv (unpersönlich) ‘unnötig, überflüssig sein’ (Mitte 16. Jh.), aus der Kanzleisprache, älter erübern ‘übrigbehalten’ (14. bis Ende 17. Jh.). Überbein n. ‘Auswuchs einer Sehnenscheide oder Gelenkkapsel’ (besonders am Hand- oder Fußrücken), mhd. überbein; zu ↗Bein ‘Knochen’ (s. d.), eigentlich ‘darüberliegender Knochen’, da fälschlich für Kochenauswuchs gehalten. überraschen Vb. ‘unerwartet (an)treffen, in Erstaunen setzen’ (16. Jh., häufiger seit 18. Jh.), zu ↗rasch (s. d.), eigentlich ‘plötzlich über jmdn. kommen, herfallen, (den Feind) überfallen’; Überraschung f. ‘Erstaunen, Verwunderung über Unerwartetes’ (18. Jh.), ‘unerwarteter feindlicher Überfall, Überrumpelung’ (17. Jh.)

Thesaurus

Synonymgruppe
alles einschließend · ↗allgemein · ↗allumfassend · ↗en bloc · generalisierend · ↗global · ↗holzschnittartig · in Bausch und Bogen · in einem großen Rundumschlag · in großem Rundumschlag · in jeder Hinsicht · ↗pauschal · ↗schlechthin · ↗undifferenziert · verallgemeinernd · vereinfachend · überhaupt
Assoziationen
Antonyme
  • überhaupt
Synonymgruppe
gar · ↗schier · überhaupt
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

anfangen bereit besitzen bestehen brauchen denkbar ernst existieren funktionieren fähig geben gelangen leisten lohnen möglich notwendig nötig nützen passieren richtig scheinen sinnvoll spielen stattfinden verstehen vorhanden wissen zufrieden zulässig überleben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›überhaupt‹.

Zitationshilfe
„überhaupt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/überhaupt>, abgerufen am 21.06.2019.

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