öde

GrammatikAdjektiv
Wortbildung mit ›öde‹ als Erstglied: ↗Ödigkeit · ↗Ödland
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
wenig ertragreich und daher unbebaut
Beispiele:
eine öde Gegend, Küste, Wüste, Wildnis
ödes Land
öde Felsen
man sah nur öden Sand
die Gegend lag öde, unwirtlich und öde da
2.
verlassen, menschenleer
Beispiele:
sein ödes Zimmer
mitten auf dem öden Platz wartete ein Hund
auf einem öden Bahnsteig stehen
das Haus lag öde und verlassen da, war öde und leer, war dunkel und öde
jmd. hat ein ödes (= leeres, flaues) Gefühl im Magen
Der Alte hatte unterdessen einen Gang durch den schon öde gewordenen Saal gemacht [E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,197]
3.
abwertend langweilig, inhaltslos
Beispiele:
ein ödes Leben
ein ödes Buch, Gespräch, Geschwätz, Theaterstück
ein paar öde Bemerkungen machen
ein Dasein ohne Arbeit erscheint mir öde
die Zeit ohne dich war mir sehr öde
es gibt nichts Öderes als so einen Nachmittag
in ihm war es öde (= gefühllos) und leer
geistlos
Beispiele:
so ein öder Kerl!
eine öde Gesellschaft
Er teilt nun die Gesellschaft des öden Jacomet und einiger ebenso öden Juristen und Garnisonsoffiziere [WerfelBernadette433]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

öde · Öde · veröden
öde Adj. ‘verlassen, leer’, ahd. ōdi ‘leer, verlassen’ (um 1000), mhd. œde ‘leer, unbebaut, unbewohnt’, aengl. īeþe, anord. auðr ‘leer, wüst’, got. auþs oder auþeis ‘leer, verlassen’ (germ. *auþja-) ist vergleichbar mit griech. á͞utōs (αὔτως) ‘gerade so, für sich allein, lediglich, nichtig’, autós (αὐτός) ‘selbst’ (s. ↗auto-), á͞usios (αὔσιος) ‘eitel, vergeblich’, air. ūathad ‘Einzelheit, Vereinzelung’. Erschließbar sind ie. *auto-, *auti̯o-, die als Bildungen mit t-Formans zur Wurzel ie. *au-, *u̯ē̌- ‘herab, weg von’ (wozu auch ↗Westen, s. d.) gestellt werden können. Öde f. ‘Einsamkeit, Verlassenheit, unfruchtbares, unbebautes Land’, ahd. ōdī ‘Einöde, Verwüstung’ (8. Jh.), mhd. œde ‘unbebauter und unbewohnter Grund, Wüste’. veröden Vb. ‘austrocknen, unfruchtbar werden’ (seit 17. Jh.), zuvor schon ahd. firōden ‘verwüsten, zerstören’ (8. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
blass · ↗dröge · ↗eintönig · ↗fade · ↗farblos · ↗geisttötend · ↗grau · grau in grau · kontrastarm · ↗langatmig · ↗langweilig · ↗monoton · ↗reizlos · ↗schal · ↗schnöde · ↗spannungsarm · ↗stupid · ↗stupide · ↗trist · ↗trostlos · wenig aufregend · öd · öde  ●  ↗fad  ugs. · ↗trocken  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
abgeschieden · einsam und verlassen · entvölkert · ↗gottverlassen · kein Mensch weit und breit · ↗menschenleer · ↗unbewohnt · ↗verlassen · wie ausgestorben · öd · öde  ●  am Arsch der Welt  derb · hinterm Wald  ugs. · in der Walachei  ugs. · jwd  ugs., berlinerisch, Abkürzung · leer gefegt  ugs. · leergefegt  ugs.
Assoziationen
  • entvölkert · evakuiert · geräumt
  • abgelegen · ↗abgeschieden · ↗abseitig · ↗außerhalb · ↗einsam · einsam und verlassen · ↗menschenleer · öde  ●  ↗entlegen  Hauptform · (da) ist der Hund verfroren  ugs. · (da) sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht  ugs., sprichwörtlich · (eine) einsame Gegend  ugs. · ab vom Schuss  ugs. · am Arsch der Welt  derb · fernab der Zivilisation  geh. · in der Pampa  ugs. · in der Walachei  ugs., sprichwörtlich, fig. · jottwedee  ugs., berlinerisch · jwd  ugs., berlinerisch · weit ab vom Schuss  ugs. · weit vom Schuss  ugs.
  • langweilig (Gegend, kleiner Ort) · nichts los  ●  (da) sagen sich Fuchs und Hase Gute Nacht  Redensart · (da ist) (der) Hund verfroren  ugs. · (da werden) abends die Bürgersteige hochgeklappt  ugs. · (da) möchte man nicht tot überm Zaun hängen  ugs., salopp · tote Hose  ugs., salopp
  • kein Einziger · kein Mensch und keine Seele · keine Menschenseele · keine Sterbensseele · nicht eine · nicht einer · ↗niemand  ●  keiner  Hauptform · kein Aas  ugs. · kein Mensch  ugs. · kein Schwanz  derb · kein Schwein  derb · keine Sau  derb
  • Einöde · ↗Wüste · ↗Wüstenei · ↗Öde · ↗Ödland  ●  (am) Arsch der Welt  derb · ↗Pampa  ugs. · ↗Walachei  ugs. · ↗Ödnis  geh.
  • frei · ↗leer stehend · ↗leerstehend · ↗ungenutzt · verwaist  ●  ↗unbewohnt  Hauptform
  • (sich) entvölkern · ↗verlassen · ↗wegziehen  ●  ↗veröden  Hauptform
  • Geisterdorf · verlassene Stadt  ●  ↗Geisterstadt  Hauptform · versunkene Stadt  historisch, fig. · ↗Wüstung  fachspr.
Synonymgruppe
abgelegen · ↗abgeschieden · ↗abseitig · ↗außerhalb · ↗einsam · einsam und verlassen · ↗menschenleer · öde  ●  ↗entlegen  Hauptform · (da) ist der Hund verfroren  ugs. · (da) sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht  ugs., sprichwörtlich · (eine) einsame Gegend  ugs. · ab vom Schuss  ugs. · am Arsch der Welt  derb · fernab der Zivilisation  geh. · in der Pampa  ugs. · in der Walachei  ugs., sprichwörtlich, fig. · jottwedee  ugs., berlinerisch · jwd  ugs., berlinerisch · weit ab vom Schuss  ugs. · weit vom Schuss  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
fad · ↗fade · ↗flau · laff · ↗lau · ohne Geschmack · öde

Typische Verbindungen
computergeneriert

Asphaltfläche Betonwüste Brache Brachfläche Brachland Eiland Einerlei Fensterhöhle Flachland Gleichmacherei Hochebene Industrielandschaft Kaff Landstrich Monotonie Niemandsland Routine Stadtlandschaft Steinwüste Steppe Vorstadt Wildnis Wüstenei fad langweilig leer menschenleer trostlos unfruchtbar verlassen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›öde‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da ziehst du nicht nur öde eine Bahn nach der anderen.
Süddeutsche Zeitung, 27.08.2004
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt jemanden von der Regierung einzuladen, ist öde.
Der Tagesspiegel, 07.10.2002
Eine Einöde ist also vielleicht tatsächlich öde, aber ihren Namen hat sie aus einer anderen Quelle.
Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 155
Diese Frau hat mit der öden Geschichte, die ich in den letzten Tagen einigermaßen protokolliert habe, überhaupt nichts zu tun!
Frisch, Max: Stiller, Rheda-Wiedenbrück: Bertelsmann 1997 [1954], S. 160
Die öde lange Straße mit den unfreundlichen grauen Häusern öffnet sich nach Norden.
Die Zeit, 20.01.1947, Nr. 03
Zitationshilfe
„öde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/öde>, abgerufen am 25.04.2019.

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