äugeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungäu-geln
Wortbildung mit ›äugeln‹ als Erstglied: ↗Äugelei  ·  mit ›äugeln‹ als Letztglied: ↗hinabäugeln · ↗hinüberäugeln · ↗liebäugeln
 ·  mit ›äugeln‹ als Grundform: ↗beäugeln
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
(blinzelnd, verstohlen, heimlich) blicken
Beispiele:
[Papageien] die mit Verwunderung aus ihren Gittern äugelten [Mörike3,303]
er äugelt nach dem Professor, um Beifall einzuheimsen [Th. Mann9,707]
mit jmdm. äugelnmit jmdm. heimliche Blicke tauschen, anbändeln
Beispiel:
Sie hatte mit Männern geäugelt und geliebelt [Feuchtw.Goya73]
2.
Gartenbau Pflanzen veredeln, okulieren
Beispiel:
Obstbäume äugeln
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Auge · Augapfel · äugeln · liebäugeln · äugen
Auge n. Organ des Gesichtssinnes. Ahd. ouga (8. Jh.), mhd. ouge stimmt mit asächs. ōga, mnd. ōge, mnl. ōghe, nl. oog, aengl. ēage, (angl.) ēge, engl. eye, anord. auga, schwed. öga, dän. øje, got. augō überein. Die Herleitung von germ. *augan- aus ie. *okū- ‘sehen, Auge’, das sich aus aind. ákṣi, griech. ómma (ὄμμα), Dual ósse (ὄσσε), lat. oculus (s. ↗Okular), aslaw. oko, russ. (älter) óko (око), lit. akìs ‘Auge’ erschließen läßt, ist durch die germ. Lautgestalt erschwert, wird aber doch für wahrscheinlich gehalten. Allgemein nimmt man an, daß der Vokal eines regulär entwickelten germ. *agw- (dieses z. B. noch in ahd. awizoraht ‘augenscheinlich’, um 800, acsiunī ‘äußere Erscheinung’, 9. Jh.) unter dem Einfluß von germ. *auzan- ‘Ohr’, vgl. ahd. ōra und (mit grammatischem Wechsel) got. ausō (s. ↗Ohr), umgebildet wurde. Vielleicht hat dabei auch Ausgleich zwischen verschiedenen Flexionsformen eine Rolle gespielt; vgl. Feist ³64. Augapfel m. ‘kugelförmiger Sehkörper des Auges’, ahd. ougaphul (Hs. 12. Jh.), mhd. ougapfel; die durch Ähnlichkeit mit der runden Frucht motivierte übertragene Verwendung von ↗Apfel (s. d.) ebenfalls in aengl. ēagæppel, mnl. ōgheappel, nl. oogappel. Gleichbed. anord. augasteinn, schwed. ögonsten, engl. eyeball oder frz. globe de l’œil gehen von ähnlichen Vorstellungen aus. äugeln Vb. ‘jmdm. bedeutungsvolle Blicke zuwerfen’, als Ausdruck des Gartenbaus ‘okulieren’. Mhd. öugeln, wohl zur Deminutivform öugel von mhd. ouge ‘Auge’ gebildet, heißt zunächst ‘mit Augen versehen’ (so Part. Prät. geöugelt mit Bezug auf Pfauenfedern, Mitte 14. Jh.). Die Bedeutung ‘verliebte Blicke tauschen’, mhd. nur durch den substantivierten Infinitiv daʒ öugeln belegt (daneben steht mnd. ȫgelen ‘äugeln, schmeicheln’), findet sich seit dem 16. Jh. und häufiger vom 18. Jh. an. Im 16. Jh. verbreiteter als das einfache Verb ist gleichbed. liebäugeln Vb. wie älteres ↗liebkosen (s. d.) als Zusammenrückung entstanden und heute vorwiegend in übertragenem Sinne ‘mit dem Gedanken an etw. spielen’ geläufig. Die Verwendung von äugeln für das schon dem mittelalterlichen Weinbau bekannte Veredelungsverfahren, die dem übertragenen Gebrauch von Auge für ‘Knospe’ folgt, wird im 17. Jh. üblich. äugen Vb. ‘blicken’, besonders in der Jägersprache von Tieren. Ahd. ougen (8. Jh.), mhd. ougen, öugen bedeutet ‘vor Augen bringen, zeigen’ (s. ↗ereignen; außerdem ist ahd. ougen ‘Knospen ansetzen’, um 1000, bezeugt), daneben mnd. ȫgen auch ‘sehen, schauen’; in diesem Sinne im älteren Nhd. selten, seit Anfang des 19. Jhs. öfter vorkommend, namentlich als Jagdausdruck.

Thesaurus

Synonymgruppe
nicht aus den Augen lassen · nur noch Augen haben für · ständig herübersehen (zu)  ●  (seinen) Blick nicht lassen können (von)  Hauptform · (einfach immer) hinsehen müssen (zu)  ugs. · äugeln  ugs.
Assoziationen
  • (jemandem / einer Sache) mit den Blicken folgen · (seinen) Blick geheftet haben (auf) · nicht aus den Augen lassen
  • (jemandem) schöne Augen machen · (jemanden) anplingen · ↗(jemanden) anzwinkern · ↗(mit jemandem) liebäugeln  ●  (jemandem) einen einladenden Blick zuwerfen  variabel · (jemanden) mit großen Kulleraugen anschauen  ugs.
  • (jemanden) hofieren · (sich) bemühen um (jemanden) · (sich) heranmachen an · ↗nachlaufen · ↗nachrennen · ↗nachstellen · ↗umschmeicheln · ↗umwerben · ↗werben (um)  ●  (eine) Charmeoffensive (starten)  fig., variabel · (jemandem) den Hof machen  fig. · ↗(sich) ranschmeißen  ugs., salopp · (ständig) herumschleichen (um)  ugs., salopp · ↗buhlen (um)  geh., veraltet · ↗freien (um)  geh., veraltet · hinter jemandem her sein  ugs.
  • (jemandem) schöne Augen machen · ↗(mit jemandem) liebäugeln · Annäherungsversuche machen (bei)  ●  (jemandem) Avancen machen  geh., veraltend
  • (etwas) nicht aus den Augen lassen · seine Augen nicht lassen können (von) · wie gebannt starren (auf)  ●  seine Augen keine zwei Sekunden lassen können (von)  ugs.
  • (irgendwohin) starren · (sein) Augenmerk richten auf · seine Blicke (irgendwohin) heften

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er kann lieblich und gräßlich äugeln wie eine zur Kröte verzauberte Prinzessin.
Die Zeit, 15.04.1994, Nr. 16
Die warmen Brüder in den Kutten äugeln dort den arglosen Buben lüstern auf den nackten, dampfenden Hintern.
Süddeutsche Zeitung, 19.10.1994
Zu herzinniglich leise rieselt der Schnee, zu neckisch gemütvoll äugelt die Sonne auf die Wiesen und Matten des Schwarzwalds herab.
Die Welt, 26.02.2005
Franjo Pooth (36) äugelt seiner Verona (37) ins "Jenny Packham" -Dekolleté
Bild, 04.02.2006
Zitationshilfe
„äugeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/äugeln>, abgerufen am 13.11.2019.

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