Überbleibsel, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Überbleibsels · Nominativ Plural: Überbleibsel
Aussprache
WorttrennungÜber-bleib-sel (computergeneriert)
formal verwandt mitbleiben
eWDG, 1976

Bedeutung

kleiner Rest, Überrest (von etw. Zerfallenem oder aus vergangener Zeit)
Beispiele:
die Überbleibsel der Mahlzeit
Feuersteine sind Überbleibsel aus der Kreidezeit
Nur, daß er ... mehr Zeit damit verbrachte, aus allerlei Überbleibseln, die sich die Leute aus den Trümmern gefischt hatten, nützliche Dinge zusammenzusetzen [SeghersMann40]
(die) Überwindung von Überbleibseln der Vergangenheit im Bewußtsein und im Verhalten der Menschen [Einheit1972]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bleiben · verbleiben · Verbleib · unterbleiben · übrigbleiben · Überbleibsel · bleibenlassen · Hinterbliebene(r) · Bleibe
bleiben Vb. ‘einen Ort nicht verlassen, einen bestimmten Zustand beibehalten, übrig sein’, ahd. bilīban ‘(weg-, unter)bleiben’ (8. Jh.), mhd. belīben, blīben, mnd. mnl. blīven, nl. blijven, aengl. belīfan sind Präfixbildungen zu einem untergegangenen Simplex germ. *līƀan, zu dem auch die Kausativa ahd. leiben ‘hinterlassen, übriglassen’, aengl. lǣfan, anord. leifa gehören. Die germ. Formen verbinden sich mit aind. limpáti ‘schmiert, klebt (an)’, griech. lípos (λίπος) ‘Fett’, lit. lìpti ‘kleben (bleiben), klebrig sein’, aslaw. prilьpěti ‘anhaften’ und führen auf ie. *leip- ‘mit Fett beschmieren, kleben’, eine Erweiterung der Wurzel ie. *lei- ‘schleimig, schmieren’ (s. ↗Leim), so daß für bleiben von ‘klebenbleiben, haften’ auszugehen ist (dazu s. auch ↗leben). Möglich ist für germ. Formen mit der Bedeutung ‘übrigbleiben, -lassen’ aber auch ursprüngliche Zugehörigkeit zur Wurzel ie. *leiku̯- (s. ↗elf und ↗leihen). verbleiben Vb. ‘an einem Aufenthaltsort oder in einem Zustand bleiben’, ferner ‘übereinkommen’, mhd. verblīben, verlīben ‘bleiben, ausbleiben’; dazu Verbleib m. ‘das Verweilen, Aufenthaltsort’ (aus der Kanzleisprache des 18. Jhs.). unterbleiben Vb. ‘nicht geschehen, nicht stattfinden’, seit frühnhd. Zeit belegt, doch vgl. spätmhd. underblībunge. übrigbleiben Vb. ‘als Rest zurückbleiben’ (15. Jh.), älter (heute umgangssprachlich, vornehmlich nordd.) überbleiben, mhd. überbelīben, mnd. ōverblīven, nl. overblijven; vgl. ahd. urbarlīban ‘übrigbleiben’ (9. Jh.); dazu Überbleibsel n. ‘kleiner Rest’ (17. Jh.); vgl. nl. overblijfsel. bleibenlassen Vb. ‘unterlassen, nicht mehr tun’, mhd. in der Fügung belīben lāʒen. Hinterbliebene(r) m. f. ‘Angehörige(r) eines Verstorbenen, Leidtragende(r)’ (18. Jh.), substantiviertes Part. Prät. zu dem heute untergegangenen Verb hinterbleiben ‘zurückbleiben’ gegenüber einem Scheidenden, Weggehenden. Bleibe f. ‘Aufenthaltsort, Unterkunft, Herberge’ (19. Jh.), besonders durch die Jugendbewegung verbreitet; älter, heute aber aufgegeben, sind gleichbed. Bleibeort m. und Bleibestätte f. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Hinterlassenschaft · ↗Relikt · ↗Reliquie · ↗Residuum · ↗Rest · ↗Restbestand · ↗Rudiment · ↗Rückstand · Überbleibsel · ↗Überrest  ●  ↗Spreu  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

DDR-Zeit Eiszeit Feudalismus Frühzeit Kolonialismus Kolonialreich Kolonialzeit Mittelalter Planwirtschaft Sowjetzeit Stadtmauer Steinzeit Sternenexplosion Ständestaat Vorzeit anachronistisch archaisch architektonisch armselig ehrwürdig folkloristisch kolonial kümmerlich liquidieren museal nostalgisch original rudimentär versprengt versteinert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Überbleibsel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vor allem die Überbleibsel aus minoischer Zeit, 3500 bis 4000 Jahre alt, sind weltweit einzigartig.
Bild, 07.04.2006
Oder bin ich nur ein Fossil, spätes Überbleibsel aus einer genügsamen Zeit?
Der Tagesspiegel, 22.12.2003
Als ein Überbleibsel aus dem alten schleppt er sie in sein neues Leben hinüber.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 439
Sie ist jedoch ein Überbleibsel der älteren Zeit, welches mit dem Aufgeben der roten Noten viel von seiner früheren Bedeutung eingebüßt hat.
Reaney, Gilbert: Color. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1952], S. 18915
Und mustert mich dabei mit dem halb erloschenen Überbleibsel eines koketten Blicks.
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 356
Zitationshilfe
„Überbleibsel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Überbleibsel>, abgerufen am 20.10.2019.

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