Ökumene, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Ökumene · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungÖku-me-ne
HerkunftGriechisch
Wortbildung mit ›Ökumene‹ als Grundform: ↗ökumenisch
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
Geografie von naturgegebenen Grenzen bestimmter Lebens- und Siedlungsraum des Menschen auf der Erde
Beispiele:
Die gebildeten Römer sprachen griechisch, als ihr Reich zur Ökumene antiker Weltbürger wurde. [Süddeutsche Zeitung, 24.07.1993]
[…] die gleichfalls seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. begegnende »Ökumene«, ein feminines Partizip Präsens Passiv zu dem Verb oikeín, »bewohnen«: oikuméne […] heisst eigentlich »bewohnte (Erde)«. [Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2005]
Der hohe Salzgehalt des Bodens hielt zersetzende Bakterien ab. Das alles zusammen machte die frappierende Erhaltung von Körper und Kleidung über die Jahrtausende möglich – ein einmaliger Fundus zur Beantwortung der Frage: Wie weit dehnte sich die Ökumene vor 5000 Jahren? War China tatsächlich so von aller Welt geschieden, wie es Selbstverständnis und Geschichtsschreibung im Reich der Mitte vorgeben? [Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, 2000. Zitiert nach: Bild der Wissenschaft, 1999, Nr. 9.]
Die ganze Ökumene ist dem Reich der Römer untertan […]. Dem freien Volk Israel, das Gott allein dienen will, bleibt nur der Auszug in die Wüste[…] übrig. [Taubes, Jacob: Abendländische Eschatologie, München: Matthes und Seitz, 1991 [1947], S. 54]
2.
Theologie
a)
Gesamtheit der Christen u. der christlichen Kirchen
Beispiele:
Ökumene (altgriechisch) bedeutet »Gesamtheit der christlichen Kirchen«. [Bild, 28.05.2003]
Unter »Ökumene« wird die Gesamtheit der christlichen Kirchen verstanden, doch identifizieren die Katholiken den Begriff mit ihrer Auffassung von der einen, einzig rechtgläubigen und allumfassenden heiligen Kirche. [Der Spiegel, 13.04.1960, Nr. 16]
Der Generalsekretär der Ökumene, Dr. Visser tʼHooft, ein holländischer Reformierter, hat diese weltweite Brüderlichkeit in einer Ansprache ausdrücklich betont und zugleich im Sinne Luthers zum Kampf gegen die »falsche Sicherheit« aufgerufen, die zum Unglauben gehöre. [Die Zeit, 07.08.1952, Nr. 32]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: evangelisch-katholische Ökumene
b)
Bewegung der christlichen Kirchen u. Konfessionen zur Einigung in Fragen des Glaubens u. zum gemeinsamen Handeln
Beispiele:
Paul VI. bezeichnete das Papstamt als größtes Hindernis für die Ökumene. Schließlich ist eine der dogmatischen Schluchten zwischen Protestanten und Katholiken die Anerkennung des päpstlichen Primats. [Die Zeit, 03.11.2016 (online)]
[…] mit dem Zusammentreffen von katholischen und evangelischen Spitzenvertretern in Lund wurde eine neue Basis geschaffen. Die Motivation, den steinigen Weg der Ökumene weiter zu gehen, ist zurück. Oder wie Papst Franziskus in seiner Predigt formulierte: »Wir Katholiken und Lutheraner haben begonnen, auf dem Weg der Versöhnung voranzugehen.« [Der Standard, 01.11.2016]
Gewünscht wird religiöse Toleranz, Verständigung zwischen den Glaubensgemeinschaften, Ökumene. [Süddeutsche Zeitung, 14.09.2016]
Seit der Gründung seines Ordens 1949 hatte sich Frère Roger für Frieden, Verständigung und Ökumene eingesetzt. [Bild, 18.08.2005]
In ethischen Fragen werden in der katholischen Bewegung »Kirche von unten« Anliegen formuliert, die auch im konfessionellen Sinn als evangelisch bezeichnet werden können. Hier kann Ökumene fruchtbarer als mit Rom praktiziert und entwickelt werden. Die Lutheraner sollten sich die Agenda ökumenischer Praxis nicht weiter von Rom diktieren lassen, sondern selbstbewußter und streitbarer auftreten. [Die Zeit, 23.07.1998, Nr. 31]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: gelebte, praktizierte Ökumene
als Akkusativobjekt: die Ökumene voranbringen
in Koordination: Mission, Diakonie und Ökumene
als Genitivattribut: die Wegbereiter der Ökumene
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ökumene · ökumenisch
Ökumene f. ‘die bewohnte, wirtschaftlich nutzbar gemachte Erde’, Übernahme (19. Jh.) von lat. oecūmenē, griech. oikūménē (gḗ) (οἰκουμένη γῆ) ‘die (besonders von den Griechen) bewohnte Erde’, substantiviertem Part. Präs. Fem. (Mediopass.) von griech. oiké͞in (οἰκεῖν) ‘wohnen’; vgl. griech. ó͞ikos (οἶκος) ‘Haus, Wohnung’. Lat. oecūmenē wird Fachwort der römischen Feldvermesser. In Anlehnung an mlat. oecumenicus (s. unten) bezeichnet Ökumene schließlich die ‘Gesamtheit der Christen und christlichen Kirchen’ (1. Hälfte 20. Jh.). ökumenisch Adj. ‘die ganze bewohnte Erde betreffend, sie umfassend, allgemeingültig’ sowie ‘die Gemeinsamkeiten, das gemeinsame Vorgehen der christlichen Kirchen in der Welt betreffend’ (um 1800); vgl. griech. oikūmenikós (οἰκουμενικός), spätlat. oecūmenicus ‘die ganze von Griechen bewohnte Welt betreffend’, dann ‘das ganze römische Reich betreffend, dazu gehörend’, mlat. ‘zur Kirche als Ganzem gehörend, sie vertretend, allgemeine kirchliche Gültigkeit besitzend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Ökumene · ökumenische Bewegung
Unterbegriffe
  • charismatische Bewegung · charismatische Erneuerung
Assoziationen
Geografie
Synonymgruppe
Dauersiedlungsraum · Ökumene

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abendmahl Auslandsarbeit Diakonie Entwicklungsdienst Fundamentaltheologie Kirchentag Konfession Mission Mitarbeit Pionier Profil Protestant Referent Rückschlag Rückschritt Verfechter Wegbereiter Weltreligion christlich evangelisch-katholisch funktionierend geistlich gelebt gelingend interreligiös praktiziert voranbringen Ökologie Ökonomie Ökumene

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ökumene‹.

Zitationshilfe
„Ökumene“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Ökumene>, abgerufen am 22.04.2019.

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